EBenso erzählt man, daß einmal ein Arzt zu einem Kranken gerufen worden ist; er hat ihm den Puls gefühlt und gesagt: »Ich vermute, daß du etwas Huhn gegessen hast. Das ist schlecht; nimm dich in acht und iß es nicht mehr.«
Der Kranke sagte: »Es ist wahr; ich habe etwas Huhn gegessen.«
Hochverwundert bezeugten die Anwesenden ihre Befriedigung. Als dann der Arzt das Haus verlassen hatte, sagte sein Sohn zu ihm: »Vater, macht das nur die Wissenschaft, daß du das gewußt hast?«
Der Arzt antwortete: »Ursprünglich habe ich es durch die Wissenschaft erkannt, erhärtet durch mehr als eine Beobachtung. Obwohl ich es aber ursprünglich nur durch die Wissenschaft erkannt habe, sowohl aus dem Klopfen des Pulses, als auch durch andere Anzeichen, die ich beobachtete, habe ich überdies, als wir in die Nähe des Hauses kamen, Hühnerfedern und Obstschalen bemerkt und habe daraus geschlossen und die Diagnose abgeleitet, daß der Mann davon erkrankt ist, daß er das alles auf einem Sitz gegessen hat.«
Diese Worte des Vaters gruben sich dem Sohne ins Gedächtnis. Nun geschah es, daß man sich einer Krankheit halber, da der Vater nicht zu Hause war, an den Sohn wandte; der sah, als er zu dem Kranken ging, in der ganzen Umgebung des Hauses herum, bemerkte aber nichts andres als einen Eselssattel. Er trat zu dem Kranken, fühlte ihm den Puls und sagte, mit dem Kopfe wackelnd: »Oweh oweh, du hast heute Eselsfleisch gegessen. Das ist schlecht; iß es nicht mehr, es macht für die Krankheit empfänglich.«
»Aber Arzt,« schrie der Kranke, »du redest einen Unsinn. Kein Mensch ißt Eselsfleisch; mich ekelts ja davor.«
Nach diesen Worten geleiteten die Anwesenden den Sohn des Arztes höflich zur Tür.
168.
ALs die Frau des Hodschas eines Tages Bulgur86 gekocht, Tarkhaneh87 bereitet und die Kuh gemolken hatte, kam es zwischen ihr und dem Hodscha zu Zärtlichkeiten, so daß sie ins Bad gehn mußte; drum sagte sie zum Hodscha: »Hodscha, während ich im Bad bin, gib du acht auf das Kind in der Wiege und sieh zu, daß nicht die Vögel den Bulgur fressen; schlage Butter und quetsche in der Mühle noch etwas Bulgur, weil wir dann Pilaf88 essen wollen.«
Fürs erste nahm der Hodscha eine Mütze, die mit Schellen behängt war, und band sie sich auf den Kopf; dann befestigte er den Butterschlägel und die Wiege an seinem Rücken, und vor sich stellte er die Mühle, die er drehen sollte. Indem er nun den Kopf vorwärts und rückwärts warf, schaukelte er die Wiege und schlug Butter, hielt aber zugleich damit durch das Schellengeklingel die Vögel ab, den Bulgur zu fressen. Während nun der Hodscha also den Bulgur bewachte, die Mühle drehte, Butter schlug und an zwei oder drei Dingen auf einmal arbeitete, erwachte das Kind und begann in seiner Wiege zu weinen. Der Hodscha sah, daß es sich beim Wiegen nicht beruhigte, und sah sich daher gezwungen, es aus der Wiege zu nehmen. Er spreizte die Beine auseinander, setzte es dazwischen hinein, nahm ein gewisses Glied heraus und gab es ihm als Spielzeug in die Hand. Das Kind spielte auch wirklich damit, während der Hodscha fortfuhr, sich völlig seiner Arbeit zu widmen.