Und der verschmitzte Bursche antwortete: »Ich würde euch ja wirklich gern euern Willen tun; sollte ich es aber noch ein drittes Mal machen, so würde der Stoff nicht mehr für einen Kaftan reichen.«

190.

EInem Schneider träumte, daß der Tag des jüngsten Gerichtes gekommen sei; er wurde auf dem Platze herumgeführt, und am Halse hingen ihm alle die Tuchstücke, die er gestohlen hatte. Als er erwachte, zitterte er vor Furcht. Es wurde Morgen und er ging in seine Werkstatt; dort erzählte er seinen Traum den Gesellen und sagte ihnen: »Wenn ich mich wieder einmal nicht beherrschen kann, und wenn ihr seht, daß ich ein Stück Stoff für mich nehme, so sagt zu mir: ›Meister, denk an den Kragen.‹ Mir wird dann die Erinnerung wiederkehren, und ich werde nichts unterschlagen.«

Einige Zeit darauf brachten ihm etliche Leute einen herrlichen Stoff; er konnte der Versuchung nicht widerstehn und ließ geschickt ein Stück unter den Augen der Eigentümer verschwinden. Da schrie auch schon ein Geselle: »Meister, denk an den Kragen.«

Aber er erwiderte: »Was habe ich mich daran zu erinnern? ein Stück wie das war gar nicht dabei.«

191.

EIn Schneider verkaufte die Stücke Tuch, die er stahl, einem alten Schuft von einem Juden. Nun kam einmal einer, der sich bei ihm hatte einen Kaftan machen lassen, und machte ihm einen Auftritt, weil er ihm Stoff gestohlen habe.

Aber der Schneider antwortete: »Ich habe den Stoff nicht; der alte jüdische Schuft, der hat ihn.«

192.

EIne Kaufmannsfrau benutzte einmal die Zeit, wo ihr Gatte im Tidscharet93 war, um ihre Gebete zu verrichten. Dabei entwischte ihr ein Wind, aber sie wußte nicht ganz genau, ob es wirklich ein Wind gewesen sei oder ob nicht vielleicht das Geräusch von einem Seufzer hergerührt habe, den sie im Gebete ausgestoßen hatte. Darum ging sie um Rat zu einem weisen Greise; sie erzählte ihm den Vorfall und bat um Auskunft. Der Greis ließ nun auch einen Wind und fragte sie: »War es so ein Geräusch?«