„Was hast du gesagt, du frecher Knirps du? Sag's doch noch einmal, wenn du's wagst!“
„Ich bin stärker wie du.“
„Mit dem Mund vielleicht, aber nicht in Wirklichkeit.“
„Soll ich's beweisen?“
„Das wagst du ja nicht, du Feigling!“
Nun war Rudis Geduld zu Ende. Er stürzte sich auf Otto, und die beiden Knaben begannen zu ringen. Otto war allerdings fast drei Jahre älter als Rudi, aber er war verhältnismäßig klein und zart gebaut, während Rudi groß und kräftig war. Rudi bekam denn auch bald die Oberhand, und ehe es der erschrocken herbeieilenden Tante Toni gelang, die beiden zu trennen, lag Otto auf der Erde. Sofort begann er ein entsetzliches Wehegeschrei, so daß nicht nur Mieze mit den andern Kindern gelaufen kamen, um zu sehen, was geschehen sei, sondern auch die Eltern, die in der Nähe des Hauses in einer Laube gesessen hatten.
Frau Helmer rief, die Hände ringend: „Natürlich wieder mein Rudi! Wenn ich Geschrei höre, dann brauch' ich gar nicht zu fragen, denn ich weiß schon im voraus, daß der Rudi wieder etwas angestellt hat!“
Frau Wulff und Tante Toni hatten sich inzwischen um Otto bemüht, hatten ihn befragt, befühlt und betastet und konnten gar nicht finden, wo er eigentlich verletzt war.
„So sag' uns doch endlich mal, wo es dir fehlt!“ rief Tante Toni aus. „Ich kann mir doch nicht denken, daß du uns ohne Grund so erschreckt hast!“
Otto antwortete nicht sofort – dann aber fuhr er sich mit beiden Händen an den Kopf und jammerte: „Mein Kopf, o mein Kopf!“