„Eitel ist sie eigentlich nicht“, nahm Philipp seine Schwester in Schutz. „Denn wirklich eitle Mädchen, die putzen sich doch hauptsächlich, um sich dann auch von den Leuten begaffen zu lassen, und sie freuen sich, wenn man sie schöner findet als die andern. Unserer Mieze dagegen ist es schon genug, wenn sie nur nett und ordentlich aussieht, und sie hat es gar nicht gern, wenn man sie so viel anschaut; und wenn ihre Bekannten schönere Kleider haben als sie, da macht sie sich nichts daraus.“
„O, ich auch nicht!“ rief Anna mit geringschätziger Miene.
„Ja, Änne, dir sieht man's auf den ersten Blick an, daß du nicht eitel bist!“
„Schlampig ist sie einfach, die Änne!“ entrüstete sich Kurt. „Du könntest wenigstens deinen Schuhriemen ordentlich binden und deinen Strumpf heraufziehen – man schämt sich ja wirklich, mit dir zu gehen!“
„Puh, Kurt, tu' nur nicht so! Bis wir heute abend nach Hause kommen, wirst du wohl auch ein Loch in der Hose oder im Strumpf haben!“
„Das kann schon sein, das ist aber doch etwas ganz anderes!“
„Kommt, Kinder, fangt keinen Streit an!“ suchte Tante Toni zu beschwichtigen. „Ich meine, wir wollen durch den Park und über die kleine Brücke gehen; oder geht ihr lieber neben dem Parke her über die große Brücke? – Aber wo ist denn der Rudi? Den seh' ich ja gar nicht mehr!“
„Der ist sicher wieder irgendeinem Getier nachgelaufen“, meinte Mariechen. „Es ist unglaublich, was der alles aufstöbert und heimbringt – neulich kam er mit vier kleinen Fröschen heran.“
„Sogar ein Heimchen hat er einmal gefangen.“
„Rudi! – Rudi! – Wo steckst du?“