„Und Mut hast du, Tante Toni, das muß ich sagen“, gestand Paul bewundernd.
„Und schlau hast du's gemacht. Mir wäre das mit dem Schirm nicht eingefallen“, pflichtete Kurt bei.
Nur Rudi sagte nichts, er schlich etwas beschämt hinter den andern her; aber am Abend nach der Heimkehr, da küßte er der Tante zärtlich die Hand. Und als Anna ihm nachrief: „Gute Nacht, Schwanenritter!“ da wurde er sehr rot, aber er sagte nichts.
Fünftes Kapitel.
Minnichen wird geimpft.
Tante Toni saß oben im Kinderzimmer. Klein Minnichen kletterte auf ihren Knien herum und trieb allerhand Schabernack; es zog sie an den Haaren, zupfte sie am Ohrläppchen, und wenn Tante Toni „Au!“ oder „O weh!“ rief, dann streichelte es ihr die Wangen und machte: „Ei, ei, Ta Dedi.“
Leo, der daneben mit großem Ernst ein Bilderbuch betrachtete, erhob mißbilligend den Kopf und sagte: „Das Minnichen ist wirklich ein bißchen eigensinnig, es will durchaus nicht ‚Tante Toni‘ sagen; es könnt's doch ganz gut, wenn es nur wollte; denn es hat schon viel schwerere Wörter fertiggebracht. Komm, Minnichen, sei mal recht brav, sage schön: ‚Tan–te To–ni‘; ich schenk' dir auch was!“
„Senk was!“ machte Minnichen, und es hielt dem Brüderchen habgierig das Händchen entgegen.
„Ja, du wärst mir gescheit! Erst mußt du ‚Tan–te To–ni‘ sagen.“