Nun fiel aber Leo aus der Rolle, denn der kleine Lehrmeister bekam wieder die Oberhand, und er sagte eifrig:
„Minnichen, erzähl' mal der Tante, wer hat dein Püppchen krank gemacht?“
„Böser Bambula“, sagte die Kleine, ein Schnütchen machend.
„Hörst du, Tante, wie gut sie schon ‚Bambula‘ sagen kann? Sie hat es doch gestern zum erstenmal gehört, und es ist auch gar kein leichtes Wort.“
Nun, an ihren gestrigen Schrecken denkend, geriet Minnichen auch in Eifer, und sie erzählte: „Bös Bambula Poppelsen von Minnisen aufdefeßt – so ...“ Und die Kleine sperrte ihr Mündchen auf, so weit sie nur konnte, und auf Tante Toni sich stürzend, machte sie „Happ, happ!“ als wollte sie diese verschlingen. Dann erzählte sie weiter, ihre Worte mit sehr ausdrucksvollen Gebärden begleitend: „Und Minnisen hat weint, so: ‚Hiehiehie!‘ Dann hat Bambula bockelt, so: ‚Bröh – bröhx‘, und da war Poppelsen widder da. Aber Minnisen hat sehr sankt Bambula, so ...“ Und Minnichen riß die Äugelchen weit auf, machte ein bitterböses Gesicht und drohte mit dem Fingerchen.
„Huh“, machte Tante Toni zurückfahrend, „da war der Bambula aber sicher sehr bang, wie er dein strenges Gesicht gesehen hat?“
„Ja“, antwortete Leo für sein Schwesterchen, „wir haben ihm gesagt, er dürfe nicht mehr zu uns auf Besuch kommen sonst würde er einfach nausgeschmissen!“
„Nausmissen“, bekräftigte Minnichen mit energischem Kopfnicken.
Den Nachmittag dieses Tages brachte Tante Toni am Bettchen ihres Patenkindes zu.
„Tante, ich muß dir etwas sagen“, flüsterte klein Toni ernsthaft, ein wenig zögernd.