„Was denn, mein Liebling?“
„Ich bin wieder mal sehr zornig und sehr böse gewesen.“
„O Tonichen, wirklich? Das tut mir aber leid. Dir gewiß auch?“
„Ich weiß nicht recht, Tante. Es tut mir schon leid, daß ich so zornig war, weil das den lieben Gott beleidigt; aber ich bin noch immer bös, sehr bös auf Otto!“
„Ach, ist es das? Anna hat dir wohl erzählt?“
„Ja, Tante. Und wie du geweint und dich gesorgt hast, und daß der Otto nicht einmal gezankt worden ist. Und da hab' ich gewünscht, der liebe Gott möchte ihn selbst recht tüchtig strafen.“
„O nein, Tonichen, nein, das sollst du nicht! Wir wollen lieber beten für ihn, damit er sein Unrecht einsieht, dann wird es ihm sicher selbst sehr leid tun. O Tonichen, das war ein häßlicher Wunsch; einen solchen darf meine kleine Freundin nie mehr haben!“
„Aber Tante, er war doch so bös gegen dich, der Otto, und du bist so lieb und gut! Nein, ich mag ihn gar nicht mehr, den bösen, garstigen Buben!“
„Du kränkst mich, Tonichen, wenn du so sprichst!“
„O Tante, ich will dich nicht kränken, und es ist ja, weil ich dich so sehr lieb hab' ...“ Und schluchzend schlang klein Tonichen ihre Ärmchen um den Hals der Tante.