„Welch ein Wetter!“ sagte Tante Toni halblaut, als eben ein besonders heftiger Windstoß einherfuhr, als ob er alles mit sich fortreißen wollte. Plötzlich fuhr sie zusammen, und auch Herr Mehring sprang von seinem Stuhl auf. Laut und schrill tönte es durchs Haus – die Türglocke.
„Was mag das sein? Wer mag so spät noch kommen?“
„Die Mädchen schlafen schon, ich werde selbst nachsehen“, sagte Herr Mehring; aber Tante Toni ging mit ihrem Bruder hinunter.
„Wer ist da?“ fragte dieser, ehe er die Haustüre öffnete.
„Ich bin's, Herr, ich, der Christian“, tönte es von draußen.
„Wie, Christian, Sie kommen noch so spät und bei diesem Wetter?“ rief Herr Mehring, die Tür öffnend. „Was gibt es denn?“
„Huh, ja, das is e Wetter!“ sagte Christian eintretend und sich die Füße abputzend, während ihm das Wasser von Hut und Mantel niederrann. „Und ich muß recht um Entschuldigung bitten, daß ich Ihne noch so spät stör, Herr Mehring, aber sehn Se, die alt Babett hat mer ja kei Ruh gelassen, sie hat sich's halt in ihrn eigensinnige Kopp neingesetzt gehabt, Sie müßte das Papier da, wo se in ihrm Korb gefunde hat, wie se diesen Abend heimkomme is, noch heut zurückkriege, und wenn emal die Babett sich was in ihrn alte Kopp gesetzt hat ... Aber um Gottes wille, Herr Mehring, was is Ihne dann? Was hab' ich denn jetzt angestellt!“
Herr Mehring hatte nämlich dem Alten, während dieser sprach, das Papier aus der Hand genommen, und kaum hatte er einen Blick hineingeworfen, da hatte er einen Schrei ausgestoßen und war zurückgetaumelt.
„Was ist dir, Robert, was ist?“ rief Tante Toni erschrocken aus. Herr Mehring legte den Arm um sie, und den Kopf an ihre Schulter lehnend, sagte er mit von Tränen erstickter Stimme: „O Toni, der liebe Gott hat geholfen, ohne ein Wunder zu brauchen – es ist das Schriftstück!“
„Gott sei Dank, Gott sei Dank!“ rief Tante Toni lachend und weinend zugleich. „Siehst du, ich wußt' es ja, daß der liebe Gott uns nicht im Stich lassen würde!“