„Ich sag' nichts, verlaß dich drauf“, versicherte Rudi; „aber ich freu' mich halt so schrecklich!“ Und er machte schnell noch ein paar Luftsprünge, aber der letzte fiel etwas unglücklich aus und er landete mit seinem Stiefelabsatz gerade auf Ottos Fußspitze.

„Au weh!“ schrie der. „Rudi, was ist denn in dich gefahren? Du bist gerade nicht von Buttermilch!“ Und er hüpfte auf einem Bein herum, den verletzten Fuß in die Höhe streckend.

Mariechen wechselte einen verständnisvollen Blick mit Tante Toni. Beide hatten denselben Gedanken: Wenn dies vor sechs Wochen geschehen wäre!

Das gab eine wahre Prozession zum Bahnhof. Als Tante Toni eingestiegen war, stellte sie sich ans Fenster, und jedes wollte ihr noch einmal „Adieu“ sagen: „Auf Wiedersehen, auf baldiges Wiedersehen, liebe, gute, goldige Tante Toni!“ riefen die Kinder, und „Auf Wiedersehen!“ antwortete die Tante, „und wenn ich wiederkomme, dann nehmen wir auch unsere Spaziergänge wieder auf, die wir diesmal unterbrechen mußten.“

„Ja gewiß, Tante!“

„Wir werden inzwischen schöne, neue Wege auskundschaften!“ rief Paul, und Kurt eiferte: „O, ich hab' mir schon einige ausgedacht; wir müssen doch auch in die Rickersbacher Schlucht und auf den ...“ Aber der Zug setzte sich in Bewegung, und die Rufe „Adieu!“ und „Lebt wohl! Auf Wiedersehen!“ übertönten Kurts Stimme. Man sah noch eine Zeitlang Tante Tonis Taschentuch wehen, dann machte der Zug eine Biegung; bald darauf war er verschwunden.

„Ich bin nur froh, daß Onkel Robert uns gesagt hat, Tante Toni käme bald wieder“, sagte Philipp auf dem Heimweg; „sonst wäre es doch gar zu traurig.“

Mariechen entgegnete mit einem Seufzer: „Ich finde es trotzdem noch traurig genug. Ich kann überhaupt das Fortgehen nicht leiden; die Leute sollten immer nur ankommen!“

„O, das kommt drauf an!“ rief Anna in entschiedenem Tone. „Den Herrn Schulinspektor und den Prüfungskommissar zum Beispiel sehe ich viel lieber fortgehen wie ankommen!“

Alle lachten, und Onkel Robert sagte, Anna freundlich auf die Schulter klopfend: „Na, Kinder, seid nur froh, daß ihr die Änne habt, die bewahrt euch wenigstens vor Trübsinn!“