Am Abend dieses glücklichen Tages suchte Otto Tante Toni auf. Er lehnte den Kopf an ihre Schulter und sagte: „Hast du recht sehr für mein Anliegen gebetet, Tante, wie du es mir versprochen hattest?“

„Nach besten Kräften hab' ich für dich gebetet, mein lieber Otto.“

Ernst und doch lächelnd schaute der Knabe zur Tante auf.

„Ach, Tante, und wenn nun der liebe Gott dein Gebet erhört, dann werde ich doch nicht Papas Nachfolger, dann werde ich doch kein Redakteur!“

Tante Toni lächelte: „Dann wirst du wohl noch etwas viel Besseres und Schöneres!“

Otto sah sie überrascht an: „Ja, Tante, errätst du denn alles? O, glaubst du, daß es gelingt, daß ich das erstreben darf und kann?“

„Mit Gottes Hilfe gewiß, mein Otto! Aber es ist schwer, und wer diesen hohen Beruf erwählt, der muß sich auf ein Opferleben gefaßt machen.“

„Ein Opferleben ...“, wiederholte Otto leise und nachdenklich. Er war noch zu jung, er faßte und verstand das noch nicht ganz, und es überkam ihn fast etwas wie Furcht, aber nur einen Augenblick lang; gleich hob er wieder mutig den Kopf, und er sagte freudig wie Tante Toni: „Mit Gottes Hilfe!“

Zwei Tage nachher schlug für Tante Toni die Abschiedsstunde. Da gab es viele und heiße Tränen, aber Onkel Robert lächelte geheimnisvoll, während er tröstete: „Weint nicht, Kinder, weint nicht! Ich versprech' euch ein baldiges Wiedersehen.“

Alle schauten ihn erstaunt und fragend an, allein Onkel Robert lächelte nur und legte den Finger auf den Mund. Aber Lilly lächelte auch, und sie flüsterte dem Rudi etwas ins Ohr; der schrie auf und machte drei Purzelbäume hintereinander; Lilly lief ihm nach und bat: „Pst, Rudi, verrat' doch nichts; es ist doch ein Geheimnis und es soll eine Überraschung geben!“