Dagegen sind noch zwei Kirchen in der Stadt, die zu den um 820 von Alfonso erbauten gehören und interessante bauliche Eigentümlichkeiten germanischer Art aufweisen. S. Tirso gleich bei der Kathedrale hat freilich von seinem alten Bestande, wie es scheint, nur die Ostwand der Mittelapsis und vielleicht die Umfassungsmauern gerettet, die eine dreischiffige Anlage ohne Querschiff nach Art der später zu besprechenden Kirchen vermuten lassen. Aber die Ostwand hat wenigstens noch das alte dreifache Fenster mit zwei Säulchen dazwischen, mit Backsteinbogen, in einer viereckigen Blende, der mittelste Bogen etwas breiter und höher als die seitlichen. Die Kapitelle sind höchst charakteristisch germanisch, nur noch Andeutungen des korinthischen Schemas, unten mit einer Reihe gerippter Buchenblätter umgeben, darüber eine Art Ranken nach den Ecken und ein Abakus, alles nur angedeutet in der Masse, aber dann im reinen Holzstil durch Rillen und Riefen geschmückt oder gerippt ([Abb. 120]). Eine Erscheinung an spätere romanische anklingend, doch ganz eigenen Stiles. Ganz gleichartige Kapitelle finden wir bei S. Adriano de Tuñon ([Abb. 47]).

Die durchlochten Steine für die Drehzapfen der äußeren Holzläden sind in der Außenmauer noch vorhanden. Die Fenstergruppe ist sehr eindrucksvoll.

Oviedo, Santullano

Der größte kirchliche Überrest aus Alfonsos II. Zeit aber ist San Julian (Santullano) in einer Vorstadt Oviedos: eine stattliche dreischiffige Pfeilerbasilika mit Querschiff und drei rechtwinkligen Chören alles sehr kompakt in ein Rechteck eingeschlossen ([Abb. 121]); die Chorpartie nur wenig eingerückt; vor der Westtür noch eine Vorhalle mit zwei seitlichen von der Kirche getrennten Räumen, die Treppen enthalten; vor dem Querschiff beiderseits ein rechteckiger Raum (vielleicht alte Sakristeien). Schiffe, Querschiff, Chöre und Vorhalle mit Tonnengewölben überdeckt (vielleicht teilweise nachträglich eingewölbt). Längs der Schiffwände und am Chor ringsum in kurzen Abständen Strebepfeiler.

Abb. 121. Oviedo. Santullano.

Über dem mittleren Chor ist ein mit hübschem Dreifenster auf Säulen sich öffnender Oberraum, unzugänglich.

Die Kirche ist sonst sehr einfach, auch im 18. Jahrhundert innen gründlich verputzt, doch nicht umgestaltet; außen noch in der ursprünglichen Verfassung. Die Chorfenster besitzen sogar zum Teil noch ihre alten Steinausfüllungen von durchbrochenen Platten ([Abb. 61]); das Dachgesims aus Holz mit gewundenen Schwellen auf Konsolen dürfte auch noch ursprünglich sein; im Obergeschoß sind selbst Dachbalken mit einer Dekoration in eingetieften Bögen erhalten, ganz an die bekannte Verzierung der Kämme in der Völkerwanderungszeit erinnernd.

Die inneren Pfeiler haben ungewöhnlich einfaches Plattengesims, nur die rechteckige Hauptnische besitzt ringsum eine innere schöne Blendarchitektur von Halbsäulen mit eigentümlichen primitiven Blätterkapitellen und Bogen darüber (s. [Abb. 47]).