Dieser Grundriß ist sicherlich der merkwürdigste in seiner Zeit und findet nirgends sein Vorbild; also eine Art Zentralanlage, doch in germanischer Auffassung.
Die architektonische Ausbildung beschränkt sich auf den später um ein Geschoß erhöhten Mittelturm: dreigeschossig erhebt er sich mit Lang- und Kurzwerk an den Ecken, dazwischen Streifen, die durch Bögen verbunden sind; im folgenden Geschoß solche auf dem Bogenscheitel sitzend mit Dreiecksverbindungen, darin ein Doppelfenster mit Rundbogen auf Mittelbaluster. Das gleiche Doppelfenster im Obergeschoß hat Dreiecksschluß; ebenso die Nordtür im Turm; die Südtür Rundbogen ([Abb. 187]).
Abb. 187. Barton-on-Humber. Ursprünglicher Zustand nach Brown.
Wir haben hier eine äußere Erscheinung desselben Charakters wie in Earls Barton; wohl von dort beeinflußt. Doch in mancher Hinsicht graziöser; aber ebenso echt angelsächsisch, echt germanisch-zimmermannsmäßig.
Fremde Künstler vom Kontinent, neue Kunstmode, dann der Einbruch der Normannen machten dieser bescheidenen doch so eigenartigen Baukunst ein Ende. Das Mittelalter brach an. Doch gut germanisches Wesen, ursprünglicher und immer wieder hervorbrechender angelsächsischer Grundcharakter, hat neben normannischem bis heute englischer Baukunst seinen Stempel aufgedrückt.
Ein neuer Kunststrom ist heute über die europäische Welt gegangen, uns neue Zeiten und neue Schönheiten bringend. Sein Charakter aber ist germanisch, und sein erster Hervorbruch geschah von hier aus, kam aus angelsächsischem Lande.
Skandinavien
Wenig bleibt uns zum Schlusse noch zu sagen. Die alte germanische Kunstzeit ging mit dem 9. Jahrhundert zur Rüste. Das Urland Germaniens, Deutschland und der Norden, wachten damals erst auf, nahmen noch nicht an jener ersten Blüte teil.