Von Wohnhäusern in Skandinavien bis zur Wikingerzeit haben sich erhebliche Spuren erhalten; sie waren oft von merkwürdig bedeutenden Abmessungen, bis 40 m lang, unten mit dicken Steinwällen eingefaßt; darüber das Dach ohne innere Decke; der Fußboden war die platte Erde, inmitten befand sich die Feuerstelle, der Herd, dessen Rauch durch eine Öffnung im Dach abzog. Später bestanden auch die Wände aus Holz, entweder aus dicht liegenden oder aufrechtgestellten Stämmen oder weiter gestellten und verbundenen mit Zwischenfeldern (Fachwerk), die mit Flechtwerk und Lehm gedichtet wurden. Meist trugen innere Pfosten, manchmal gar in zwei Reihen angeordnet, das Dach, bisweilen befand sich vor der Türe ein schützender Vorbau; das Dach war mit Schilf, Stroh, Torf oder Ähnlichem gedeckt; Fenster kommen erst spät auf. Viele dieser Bauwerke scheinen nicht eckig, sondern an den Winkeln abgerundet, oft fast von eiförmigem Grundrisse gewesen zu sein; auch die Häuser der Germanen, die die Mark-Aurel-Säule zeigt, sind meist rund, aus dicht nebeneinanderstehenden Stämmen errichtet, die durch Flechtwerk verbunden sind. Diese Technik, die eine Art des Blockhausbaus darstellt, hat sich lange erhalten, und die älteste Holzkirche in England, die noch steht, zeigt solche Wandbildung.
Das heute noch, besonders im Norden, gebräuchliche Bauen aus liegenden Balken mag eine etwas jüngere Entwicklung darstellen. Jedenfalls haben wir aber in diesen drei Gestalten: dem Fachwerkbau, dem stehenden und dem liegenden Blockbau die drei ältesten Arten des germanischen Holzbaues vor uns.
Fachwerk
Was das eigentliche Fachwerk anlangt, so muß dieses im engeren Deutschland am meisten verbreitet gewesen sein, vor allem in der noch jetzt gebrauchten Weise, daß das Gerüste des Baus richtig verzimmert mit offenen Fächern zuerst fertig aufgestellt wurde, dann die Fächer geschlossen wurden, und zwar meist mit starkem Flechtwerk, das dann von beiden Seiten mit Stroh- oder Haar-Lehm dicht verputzt werden mußte. Oder die Fächer wurden — bei besseren Bauwerken — mit gespundeten Bohlen ausgefüllt, liegend oder stehend, sogar mit richtigem Täfelwerk. Erst diese Art gab die Grundlage zu einer künstlerisch wertvolleren Ausbildung; Balken, Ständer, Schwellen, wie das das Gefach ausfüllende Bohlen- und Täfelwerk konnten geschnitzt und gekerbt, besonders sich eignende Teile auch, wie große und kleine Stützen, auf der Drehbank zu Säulen gedreht werden; zuletzt wurde vieles oder alles bemalt.
In dieser letztbeschriebenen Art sind noch heute die wenigen Stabkirchen Norwegens, die sich aus dem früheren Mittelalter gerettet haben, hergestellt und geschmückt und geben uns daher wenigstens in etwas eine Vorstellung von jener älteren Baukunst, wenn auch der Formalismus und das einzelne der Stabkirchen gegenüber der uns bekannten originalen Formenwelt der Germanen bereits starke Umbildung in mittelalterlichem Geiste aufweisen. Immerhin sind sie hinter ihrer Zeit um einige Jahrhunderte zurückgeblieben und erscheinen uns sozusagen fast als die letzten fossilen Überreste aus jener längst vergangenen Epoche unserer Vergangenheit.
Geschichtliche Nachrichten
Doch schon allein die Verse des Venantius Fortunatus, Bischofs von Poitiers, die er um 560 schrieb, als er unsere damals neu aufblühenden Städte am Rheine, Mainz, Köln und andere, bewundernd besuchte, geben uns in dieser Richtung vollgültiges Zeugnis:
Weg mit euch, mit den Wänden von Quadersteinen! Viel höher
Scheint mir, ein meisterlich Werk, hier der gezimmerte Bau.
Schützend verwahren vor Wetter und Wind uns getäfelte Stuben,