Widukind barg seine Schätze in hölzernem Schatzhause vor den Franken; zahllose historische Nachrichten bestätigen die Alleinherrschaft des Holzbaus in der Zeit bis zur Einführung des Christentums wie ihre nachher wenig geschmälerte Fortdauer bis tief ins Mittelalter. — In Frankreich zur Merowingerzeit werden die bedeutenden Holzkirchen zu Thiers (bei Gregor von Tours), zu Tongres, die hölzerne Kathedrale zu Reims gerühmt. Von der zu Tongres lautet der Ausdruck: de tabulis ligneis levigatisque.

Auch an Stelle des Straßburger Münsters stand zuerst eine hölzerne Bischofskirche.

Holzpalast des Attila

Eine der für uns wichtigsten Beschreibungen finden wir in der durch Priscus gegebenen seiner Gesandtschaftsreise zu Attila und seines Besuches bei diesem gewaltigen König in seiner Burg in Nieder-Ungarn. Es ist zweifellos, daß diese nicht von Hunnen gebaut, sondern durch Germanen, wohl Mösogoten, errichtet war und ein getreues Bild bot der damals bestehenden germanischen Königsburgen.

Aus des Priscus Beschreibung geht hervor, daß die gesamten Baulichkeiten aus Balken und bearbeiteten Brettern bestanden und durch hölzerne, nicht nur zum Schutze, sondern auch zur Zierde errichtete Zäune umfaßt waren; der die innere Königsburg einschließende besaß Türme. Inmitten befand sich die eigentliche Königshalle, umgeben von den Frauenwohnungen. Diese Bauwerke waren teilweise aus schön bearbeiteten Balken, die an den Enden ineinandergefügt waren (also in liegendem Blockbau), teils aus geschnitzten und zierlich zusammenverbundenen (also im Charakter des hochnordischen sogenannten Reiswerks) hergestellt.

Die Königshalle, inmitten gelegen, offenbar auf dem höchsten Punkte, vor der sich der Thingplatz ausbreitete, war nach jener Beschreibung eine mächtige, quergestellte Holzhalle, zum Speise- und Festraum bestimmt, an deren Rückseite dem Eingang gegenüber sich der erhöhte Sitz Attilas befand. Ringsum Sitzbänke oder Lager an den Wänden; hinter dem Thron des Königs auf weiterer Erhöhung sein mit Teppichen verhülltes Lager. — Das Ganze entspricht genau der überall bei den Germanen üblichen Anordnung der Königshallen, sowohl der in alten Berichten erwähnten, wie der noch ganz oder teilweise erhaltenen zu Naranco, Aachen, Goslar. — Nur die hier gerühmte üppige Ausstattung mit Teppichen muß der Hunnensitte angehören. Die Germanen schmückten ihre Wände gerne mit aufgehängten Waffen und Trophäen aus Jagd und Krieg.

Nordische Königsburgen


Ganz genau jener Anordnung entsprach nach erhaltenen Nachrichten auch die der ältesten nordischen Königsburgen, ja zeitlich wohl einige Jahrhunderte jünger, doch offenbar ganz die gegen Ende des ersten Jahrtausends überall übliche widerspiegelnd. — So ließ König Olaf der Heilige 1016 einen neuen Königshof bei Drontheim erstehen an Stelle des von Olaf Trygvasen vor 1000 errichteten ersten. Inmitten vieler Gebäude die lange Königshalle (Hirdstofa), diesmal mit Eingängen an den beiden Enden; mitten an der langen Wand war des Königs Thronsessel. Dieser Platz war, da die lange Front der Halle wie immer nach Süden zu schaute, an der Nordseite. Ringsum an den Wänden die Plätze der Ehrengäste und Mannen des Königs.

Der folgende Königshof zu Saurlid (Drontheim) des Königs Magnus des Guten (1070) bestand ebenfalls aus einer Gruppe von Holzbauten; ganz allein die Halle errichtete der König aus Stein, was so unerhört war, daß bei Fertigstellung dieser Halle Magnus’ Nachfolger sie dem heiligen Gregor zur Kirche weihen ließ.