Ehe wir der noch übrigen einzelnen Bauwerke gedenken, bleibt uns noch das Gebiet der kleineren dekorativen Arbeiten für die Ausstattung der kirchlichen und profanen Gebäude zu besprechen. Und zwar ist dieses Gebiet verhältnismäßig etwas reicher und vielgestaltiger, weil so mancher derartige Gegenstand den Abbruch oder gänzlichen Umbau des Gebäudes, zu dessen Zier er zu dienen bestimmt war, überleben durfte; weil die Pietät, die sich im Neubau der Gebäude selber nicht genug zu tun wußte, doch seinen alten Inhalt manchmal schonte und weiter verwandte oder als Erinnerung an die alte Zeit zu erhalten suchte; weil sich an diese Dinge gar oft der Begriff einer gewissen Heiligkeit knüpfte, da vielleicht der Name irgendeines großen Menschen der Vergangenheit sich damit verband. Zuletzt, weil Ausgrabungen und Abbrüche an alten Bauwerken oft genug die Reste ältester Ausstattungen in der Erde oder in den Mauern verborgen fanden und zutage förderten.

Von diesen erst noch ein Wort.

Schranken

Das meiste richtet sich auf diesem Gebiete nach dem im gleichzeitigen Italien und Byzanz Üblichen. Im einzelnen aber sehen wir doch nordische Art eindringen. So an den überall üblichen steinernen Schranken, die das Heilige, den Raum vor dem Altar, von dem für die Gemeinde zu trennen pflegten. In manchen Kirchen — Torcello, S. Miguel d’Escalada, Sta. Cristina de Lena, Canterbury — ist der Kirchenraum durch eine Säulenstellung quer abgeschlossen, so daß vor dem Altar ein freier Raum bleibt. Diese Säulenstellung scheint durch Vorhänge abschließbar gewesen zu sein; wenigstens finden sich in manchen kleinen Kirchen (S. Wiperti Quedlinburg) Spuren hölzerner Querbalken, die den Raum vor dem Altar in entsprechender Höhe abgrenzten und Vorhänge getragen haben müssen.

Auf zahllosen Werken altchristlicher Bildnerei und Malerei erscheinen Vorhänge zwischen Säulen und unter Arkaden.

Wenn ein Balken an die Stelle steinerner Abtrennung tritt (trabes doxalis), so trägt er oft das Triumphkreuz, (das bis ins späte Mittelalter im Norden üblich bleibt), von Leuchtern flankiert; von ihm hängen häufig Lampen herab.

In S. M. in Valle zu Cividale wie in Torcello (jünger) finden sich an dieser Stelle noch Steinbrüstungen oder Schranken, die im Dom zu Aquileja sind ins südliche Querschiff versetzt. In S. Clemente zu Rom ist im Mittelschiff in ähnlicher Weise, sehr weit sich erstreckend, ein länglicher Raum durch prächtige Marmorschranken abgeschnitten, dessen seitliche Mauern die beiden Ambonen tragen. Solche Einbauten scheinen im Süden durch die Langobarden eingeführt zu sein.

Dieser Raum war für den chorus psallentium bestimmt und hat sich bis heute als Einbau in vielen späteren spanischen Kirchen erhalten.

Die Franken nahmen von den Langobarden das meiste an, und so sind auch bei ihnen solche Schranken weit verbreitet. Die schönsten Reste der Art fanden sich in St. Peter zu Metz.

Auch in Spanien waren solche nicht selten; die große Masse aber ist bei den Langobarden zu Hause. Und bei ihnen sind dann die Flächen der Schranken oder Brüstungen das wahre Tummelfeld für die eigenartige Ornamentik dieses urspünglich deutschen Stammes, insbesondere das Flechtwerk in allen Auffassungen. So in Aquileja (s. [Abb. 37], Tafel XIII), Grado, Ferrara, Mailand, Venedig, Torcello, — bis nach Assisi und Rom.