Solche Brüstungen wurden entweder zwischen große Säulen eingeschoben oder trugen selbst eine Stellung von kleineren Säulchen oder Pilastern, wie sie in Italien vielleicht nur noch in Cividale, S. M. in Valle, wohl erhalten stehen, aber in Torcello im Dom in einer etwas jüngeren Nachbildung noch in prächtigster Art auftreten.
Prachtvoll eigenartig ist diese Trennwand, noch vollständig, in St. Cristina de Lena bei Oviedo. — Dort tragen die schlanken Säulchen weitgespannte Bögen und diese wieder eine noch höher gehende reich durchbrochene Steinwand, die mit Rundbögen nach oben frei abschließt ([Abb. 134]). Die Brüstung ist aus weißem Marmor und mit feinem Kerbornament geschmückt.
Altäre
Im Raume hinter der Brüstung steht der Altar. In ältesten Zeiten wie es scheint ein niedriger Tisch, hinter dem der Priester mit dem Gesicht gegen die Gemeinde amtierte. Erst mit den steigenden Aufbauten des Altars veränderte sich dies. — Solche niedrige Altäre sind noch vorhanden, so einer aus der Ostgotenzeit in S. Giovanni Evangelista zu Ravenna, eine Platte auf einem geschlossenen Unterteil mit Pilastern an den Ecken und einem Schrank in der Mitte (für Reliquien oder heilige Gefäße), ein ähnlicher in S. Apollinare in Classe, nur auf freistehenden Ecksäulen, dann in S. Martino in Cividale der Altar, den König Ratchis zu Ehren des Herzogs Pemmo errichtete, mit höchst charakteristischen Skulpturen auf allen vier Seiten reich geschmückt. Auf der Vorderseite Christus in der Glorie, rechts die Anbetung der Könige, links die Heimsuchung, auf Rückseite von Ornament umgebene Kreuze; alles von höchst dekorativer Wirkung und in echtest langobardischem Stile (s. [Abb. 100], [101], Tafel XXVII).
Abb. 66. Regensburg. St. Stephan. Altar.
Tischförmige Altäre, auf Säulen ruhend, bestehen noch in Vaison in Frankreich und Mettlach bei Trier, beide mit vertiefter oberer Fläche, um Wegfließen des Abendmahlweins zu hindern. — Ein uralter, auf fünf Säulchen in Tarascon. Manche nordische zeigten, wie die genannten ostgotischen, nach vorn eine Öffnung, um das in ihnen ruhende Reliquien-Heiligtum den Gläubigen zu zeigen (S. Wiperti Quedlinburg), andere fensterartige Öffnungen, um einen Blick wie durch Fenster in die Krypta darunter zu gestatten: Hildesheimer Dom, St. Stephan in Regensburg ([Abb. 66]). Ähnlich ist der Altar in Orléansville in Algier angeordnet. Auf der Rückseite des Ratchisaltars zu Cividale ein Schränkchen.
Ein großes mit Goldblech überzogenes reichgetriebenes Kreuz aus S. M. in Valle zu Cividale ([Abb. 67], Tafel XVI) dürfte einen solchen niedrigen Altar geziert haben, den man in der allerersten Zeit nur mit einem Tuche bedeckte, auf dem der Kelch stand. Dann kamen solche Kreuze und Leuchter dazu.
Der dekorative Aufbau hinter dem Altar, der die Stellung des Priesters mit dem Rücken nach dem Volke mit sich brachte, stellte sich sofort ein; er enthielt dann wohl gleich die Reliquien, wie eine solche Rückwand zu Aquileja es zeigt ([Abb. 68]).