Bogner: Als er eintrat, herrschte große Freude. Dann hieß es: Was bringst du mit? Wenn ich nichts bringe, werde ich vor dem alten Mann stehn, als wäre ich siebenzehn. Ich hätte nicht gelebt inzwischen. Keinen Aufstand gäbe es deshalb, ebensowenig wie es heute noch Groll in ihm und Trotz in mir giebt. Niemand ist von Eisen. Aber er würde recht behalten haben.

Renate: Sind Sie nicht schon ganz schön berühmt?

Bogner: Freilich! Ein kleiner Federhut von Zeitungspapier.

Renate: Sie Unwahrscheinlicher! Haben Sie nie an Ihre Mutter gedacht? Haben Sie denn nie Heimweh gehabt?

Bogner: Heimweh? Nein. Mit Müttern ist das wohl seltsam und nicht zu beantworten. Sie sind so selbstverständlich. Es fühlt sich an, als könnte man, seis wo es sei, jeden Augenblick in ihr Zimmer treten. Mit einer Mutter läßt sich nicht rechten. Begreifen Sie nicht, Kind, daß ich die ersten fünf — acht Jahre wie ohne Besinnung gewesen bin? Soll ich Ihnen von der barbarischen Wut eines Zwanzigjährigen erzählen, der Jahre und Jahre hingehn sieht, und der alte Mann ist noch immer im Recht? Doppelt im Recht, denn weder vor den Leuten gilt man was, noch vor sich selber. — — Die Nacht ist schweigsam und groß — soll ich zu Ihnen hinüberrufen, wie das ist, wenn man mit dem Engel ringt und er einem auf die Hüfte schlägt? Giebt es nicht bösere Dinge als Heimweh? Als die Wut verraucht, als es klarer, stiller geworden war, hatte ich das Heimweh verloren. Seitdem sitzt es in meinen Fingern und mischt sich in alle Farben. Sagen Sie meiner Mutter, ich käme im Frühjahr.

Renate (nach einer Stille leise): Warum im Frühjahr?

Bogner: Gute Bedrängerin, dann werden die drei Freskobilder fertig sein, die der Herzog wünscht. Sein Gegengeschenk bietet mir für den Rest meines Lebens —

Renate: Würde es nicht — — würde es nicht genügen, wenn ich Sie bäte, meine Orgelkapelle auszumalen? Und Onkel hat so viele Beziehungen, er würde Ihnen sicher eine Ausstellung ermöglichen ...

Bogner: Danke tausendmal! Ich fühle, daß Sie sehr gütig sind! Aber ich möchte nichts ausstellen. Auch früher gab ich nur hier und da einmal ein Bild her, damit meine Eltern vielleicht eine Kritik läsen. Bisher habe ich nur für mich allein gemalt. Die Fresken sind nun die Probe. Ich male sie auf die Wand, da läßt sich nichts abkratzen. Wenn ich sie gelten lassen kann, ist es gut. Eher hab ich keine Sicherheit in mir selbst und kein Recht, nach Hause zu gehn. Tun Ihnen die Ohren noch nicht weh?

Renate: Ja, das linke schmerzt mich schon ein wenig.