Bogner: Ich habe nicht das Gefühl, als ob Sie sich aufdrängten ...

Renate: Ihre Mutter tut mir leid! Magda erzählte mir viel von Ihnen, da konnte Teilnahme nicht ausbleiben. Daß sie sich nun äußert, das bringt freilich ein völlig neues Moment hinein.

Bogner: Sind wir Feinde? Ich bin jedem guten Menschen gern zu Willen.

Renate (nach einem Schweigen): Was soll ich Ihrer Mutter sagen?

Bogner: Auch meine Mutter und ich sind keine Feinde.

Renate: Und Ihr Vater?

Bogner: Es kommt mir vor, als wäre ich nachts beim Schlafen an die Kette eines tiefen Brunneneimers angeschlossen, und nun muß ich ihn ganz heraufziehn. Er ist voll von eitel Gutherzigkeit.

Renate: Redensarten, Freund! Ich habe den Eindruck, an einen Starkstrom angeschlossen zu sein. Aber Sie schalten beständig Widerstände ein.

Bogner (nach einem Schweigen): Niemand war mehr im Recht als mein Vater vor fünfzehn Jahren. Er hatte einen struppigen, unmanierlichen, faulen und verlogenen Burschen vor sich und folgte seiner Pflicht, einen Bürger aus ihm zu machen. Dies nötigte mich, zu beweisen, daß er im Unrecht war gleichwohl. Nun hätte ich nach drei, nach fünf, nach zwölf Jahren zurückkommen können, und es wäre alles unverändert gewesen wie im ersten Jahr. Menschen sind nicht von Eisen, mein Vater hätte mir meinen Willen gelassen, aber ich hätte ihm nichts bewiesen. Wir haben verschiedene Wertmesser. Der meine ist das eingesetzte Leben und die Leistung vor — sagen wir vor Gott. Den seinen nennt er Bürgerwert und täglich Brot. Die Notwendigkeit, daß er leben muß, braucht er sich nicht zu beweisen, denn er hat Frau und Kinder; die Notwendigkeit meines Lebens kann ich ihm nicht beweisen, aber ich kann ihm zeigen, daß ich zu essen habe. Wenn ich heute heimginge, würde mirs geschehen wie dem Leonhardt Hagebucher ...

Renate: In Abu Telfan?