München, am 1. Februar
Herrin:
Entschwunden? Gänzlich verschwunden? Allerdings, ich erinnere mich: wir hatten beschlossen, die flüchtige Zartheit unsrer Berührung so falterhaft sein zu lassen, wie sie war; ihr nicht die Bleigewichte von Briefen anzuhängen und so weiter, Sie wissen schon. Aber — was alles beschließt nicht der Mensch! Es ist groß zu verzichten für den Reichen, aber nun bin ich verarmt und so einsam wie der letzte Wolf in Polen. Groß ist auch Einsamkeit, wo sie ganz ist und echt; ich aber bin niemals allein, — Sie kennen mein hiesiges Dasein, das nicht den Namen Leben verdient. Leben Sie? In dem Rohrdommelnest Beuglenburg zwischen den ewigen Mooren? Dann gewähren Sie mir ein gnädiges Zeichen!
Ihrer Huld mich empfehlend, gebeugt, ehrfürchtig
der Ihre
Georg Trassenberg
Cora Bogner an Georg
Beuglenburg, am Amtsgericht 2
Lieber Prinz!
Bin ich Ihnen aufrichtig genug, wenn ich sage, daß Ihre Zeilen mich sehr gerührt haben? Wie recht Sie haben! Wir beschließen so Vieles im Glück und können später noch froh sein, daß Beschlüsse keine Taten sind und sich zurücknehmen lassen. Ach, armer Georg, Sie rufen nach mir wie ein Schiff in Seenot nach dem Ufer — alles las ich zwischen den Zeilen! — aber bin ich denn am Lande? Taten, die sich nicht rückgängig machen lassen usw., und ich könnte Sie selber zitieren: „Sie kennen mein hiesiges Dasein ...“ Aber nun bin ich nicht ganz aufrichtig, denn ich habe erstens den besten Mann von der Welt und zweitens ein süßes kleines Geschöpf, das Sie kennen, und mit der sich, wie Sie wissen, nicht konkurrieren läßt. Oder wagen Sies? Prinz, ich warne Sie!! Also hier haben Sie einen Brief! Freuen Sie sich? Dann sagen Sies Ihrer Sie vielmals grüßenden
Cora Bogner