Und doch, wie ich nun anfangen will, — was kann ich sagen? Soll ich wieder aufzählen: Catena und Lorenzo Lotto, Amberger und Memling? Rubens, den ich nicht leiden konnte, überwältigt vollkommen mit leuchtenden Massen von Gliedern, — o Venusfeier! O unsagbare Hand des Prinzen Ruprecht, gemalt von van Dyck! O heilige Justina Morettos da Brescia! Ach, es ist noch schlimmer als in München: man sinkt nicht mehr in die Knie, man geht, man schleicht mit gedemütigten Knien durch die Säle und wagt nicht, sich aufzurichten. Unbeschreiblicher Breughel! Das sind gar keine Bilder, das sind — oh — Unwahrscheinlichkeiten! Justina wäre der Inbegriff — ihre Haltung verzaubert! — wenn nicht — —
Ja, wenn nicht das Wunder da wäre, das Unfaßliche, der innerste Inbegriff, das Überallemaßen, Natur und doch mehr als Natur, das Letzte, wo Bewunderung, Staunen, Ehrfurcht, Liebe einfach — abprallen, nichts mehr gelten, weil nichts mehr reicht; das man einfach zu empfangen hat, wie Baum und Berg, Himmel und Tau im Gras — — — Giorgione.
Klingt denn Dir auch schon der Name so geheimnisvoll, so riesenhaft und feierlich? Giorgione. Giorgione! Michelangelo klingt bloß üppig daneben. Das Bild heißt ‚die drei Magier‘; mir scheinen es ein Feldmesser, ein Kaufmann und ein Astronom zu sein, die sich irgendwie im Ausgang eines Waldes zusammengefunden haben. Einer sitzt und hat ein grünes Kleid an und weiße Ärmel; von den beiden Stehenden trägt einer einen violetten Kragen auf rotem Gewand; einer ist ein Greis, dessen Kleidfarbe ich vergaß; herum ist Wald, schwarzbraun, pelzig, im Hintergrund ists offen, liegt hinter seltsam verbogenen, braunschwarzen Bäumen eine Abendlandschaft. Das ist alles. Nein, es sind nicht Farben, es ist nicht Leinwand, es ist nicht gemalt, es ist — Magie, Herrgott, merkst Du nicht, wie mir alles versagt! Ich möchte stundenlang davon reden und finde die erbärmlichen Worte nicht. Als er das Bild machte, muß er alles, was sich darüber sagen läßt, versteckt haben, oder vielleicht hat ers hineingemalt, und dies ist das Geheimnis. Er muß den Pinsel in Gottesblut getaucht haben, in reinen Äther, in Essenz von Natur und Seligkeit, in den Teich in Elysium, in den Atem zweier Liebenden, in die Seele einer Staude Heliothrop, in die Nacht, in den Nachtwind. Und dann hat er damit gemalt, lieber Gott, gemalt!
Oh kein Wort weiter! Die Stunde, wo ich dies schrieb, soll stehn bleiben um mich und um Dich. Ich habe die Uhr abgestellt, die im Zimmer ist. Ich denke nicht an morgen. Ich sage Dir nicht lebewohl! Ich sage nur ganz leise Dank, daß ich dies mit Dir teilen durfte.
Georg
Schau, wir waren doch so traurig,
Und nun sind wir oft so froh.
Dieses Leben, hart und schaurig,
Quält uns doch nicht immer so.
Seit wir uns bei Namen nennen,