„Da sieh nun mal, was du gemacht hast! Wie kann man so roh sein!“

Bestürzt sah er die roten Striemen. Mein Gott, roh war er gewesen, wer hätte das gedacht? Mit erstickter Stimme bot er ihr flugs an, sagen zu wollen, was er in den Schuh gesteckt habe, aber das war ihr nun egal. Er versuchte, sie durch die Mitteilung zu verlocken, daß es ein Gedicht sei, aber sie meinte wegwerfend: „Meinetwegen sieben Gedichte!“ Dann stand sie auf, hob ihren verbeulten Panamahut aus dem Gras, drückte ihn auf den Kopf und ging zu ihrem Pferde; dabei hob sie mit einem plötzlichen Knicks das Kopfzeug aus dem Grase und schleifte es hinter sich her. Er verfolgte sie mit gesenkten Lidern. Jetzt, jetzt würde sie es herausnehmen und wegwerfen. Wenn sie das tat ... wenn sie das tat ...! Kalt vor Aufregung drehte er sich nach der See hin und sah die Wolkenmassen in ungestümer Schnelle heraufstürmen. Als er es endlich wagte, sich umzudrehn, stand sie neben ihrem Pferde, das, ganz gerade stehend, zuzuhören schien, und las. Er wartete; sie las und las, zwanzigmal mußte sie es schon gelesen haben, und um genau zu wissen, daß sie gelesen haben mußte, sagte er selber sich vor:

Wärs dennoch möglich: Wenn ich einsam bin,

Nachdenklich in Verlassenheit, so gleitet

Ein liebes Wort aus einem lieben Sinn

Zu mir herüber, sicher hergeleitet.

Und wie es naht, entfaltet sich aus ihm

Die ganze Seele, schöne, flügellose

Gestalt von einem blassen Seraphim,

In Händen haltend, sonder Dorn, die Rose.