„Ja, gewiß ...“ sagte Georg zögernd. „Ja — und —?“
„Ja, und gesetzt, Sie dächten wirklich nur, immer so, wie Sie’s meinten —“
„Ich meine,“ fiel Georg ein, „wenn ich ein Mensch mit lebhafter Phantasie bin und mit beweglichen Gedanken, so muß ich eben hundert Dinge denken, einfach assoziativ, nicht wahr? weil ein Gedankenbild das andre hervorruft, ohne jedoch mich ernstlich zu beschäftigen, mein Wesen zu berühren.“
„Ja, jawohl. Ich meinte eben auch nur das Denken, das viele Denken. Jener Übeldenkende, von dem wir sprachen, unterläßt das Gute vielleicht. Und wer viel denkt, was unterläßt vielleicht der?“
Georg, die Antwort „das Handeln“ nur mit den Augen sagend, wollte eifrig widersprechen mit der Behauptung, daß eben die Gedankenarbeit die Vorbereitung und Schule des Handelns sein müsse, allein Bogner ließ ihn nicht zu Wort kommen.
„Und jetzt,“ sagte er, „sehen Sie wohl, jetzt denken Sie nicht, was ich gesagt habe, sondern nur, wie Sie mich widerlegen können, und daß Sie mich widerlegen müssen. Denken Sie also ohne Wunsch noch Befürchtung? Denken Sie, sagen wir, ungefärbt? in Reinkontur?“ Er lachte leicht vor sich hin. „Aber lassen wirs doch, es ist ja wunderschön. Da kommt so ein schönes Mädchen, und, gleichviel wo’s ist, im Eisenbahnwaggon, im Kaufladen, im Salon, im Lift, Sie werfen Ihre ganze Seele in die Wagschale, damit das schöne Mädchen die ihre hervorholt und dagegensetzt. Ich möchte das —“
— auch können, glaubte Georg zu verstehn, doch kreischten in diesem Augenblick die Bremsen, der Zug, laut brausend, fiel in langsamere Fahrt, immer langsamere, und am Ende blieben sie stehn. Der Maler wischte an der beschlagenen Scheibe, sah in die Dämmrung hinaus und sagte: „Warne.“ Es war die letzte kleine Station.
Georg, seine Briefe vom Sitz neben sich aufnehmend, hörte den Maler in die Stille hinein plötzlich mit beinahe dröhnender Stimme sagen: „Der Teufel hole alles mattlila Briefpapier!“
„Ja, warum denn?“ fragte Georg erschrocken.
„Ich kanns nicht leiden,“ versetzte er. Und über ein kleines wiederholte er: „Ich kanns nicht leiden!“