„Wie machen Sie das eigentlich?“ fuhr der Maler ganz ernst fort. „Ich glaube, Sie lesen in drei oder fünf Büchern von russischen Menschen, und schon haben Sie ‚den‘ Russen im Glashafen und lassen ihn steigen und sinken wie ein kartesianisches Männchen. Und —“

„Hab ichs denn falsch gemacht?“ unterbrach ihn Georg, nicht durchaus geschmeichelt.

„Und es scheint ganz unwiderleglich, wollte ich sagen. Ich kann da gar nichts bestreiten. Wer kann all das wissen?“

Wieder verstummend, blickte er zum Fenster hinaus, fing aber nach einer Weile abermals an:

„Ja, eins fiel mir noch ein, — während Sie da über die zufällige Familie redeten. Ich sagte Ihnen ja, daß meiner Meinung nach wir Menschen nicht denken, sondern wünschen oder befürchten. Und nun nehmen Sie einmal an, da ist ein Mensch, der immerfort üble Dinge denkt — nur denkt, wie Sie es meinen —, also sagen wir: diebisch oder lüstern; irgendwie Boshaftes. Werden diese Gedanken sich niemals und in nichts äußern? Sich nie zu einer Handlung kristallisieren, oder jedenfalls einen Niederschlag finden in seinem Gehaben, seinem Verhalten gegen Andre? Oder stellen Sie sich einen guten Mann vor, einen, der nur Rechtliches denkt und Gütiges. Sollte daraus niemals eine gute Tat, die dann fortwirkt, sollte kein schönes und edles Gebahren daraus hervorgehn?“

„Das scheint mir so zu sein,“ sagte Georg, sich vorbeugend, um ihn besser verstehen zu können.

„Ja, und nun der Russe. Vielleicht ist er weniger zivilisiert, läßt sich eher — unter der Brücke des Gedankens gleichsam — vom Gefühl zur Handlung hinreißen, — mag alles sein, aber ...“

Er schwieg.

Georg saß lange Zeit in Gedanken verwickelt, die zu unbestimmt waren, um sich fassen zu lassen. Da hörte er wieder die Stimme Bogners und fand sich ernsthaft angesehn, während der Maler sagte:

„Und Sie, Prinz, Sie denken viel ...“