„Natürlich, das wars ja, was ich Ihnen auseinandersetzte. Sie empfanden gleichzeitig Ehrfurcht — als ob das nicht auch Furcht wäre, und ist Furcht keine Feindschaft? —, also beschwichtigten Sie Ihre unanständigen Gefühle, indem Sie ihm halfen. Wie gings denn weiter? Vermutlich verschwand der Maler alsbald, und Sie suchten allein.“

„Bei Gott!“ versetzte Georg mißtrauisch, „genau so wars.“

„Mit andern Worten,“ erklärte Josef ruhig und wieder gradesitzend, „Sie setzten sich selber an die Stelle Herrn Bogners, Sie hatten ihn ja unter Tage exemplarisch gefunden, ehrfurchtgebietend, nachahmenswert.“

Georg war sprachlos, denn er entsann sich augenblicks deutlich, daß er einmal an jenem Tage gewünscht habe, wortkarg zu werden wie Bogner. — Da er nun Montfort wie von fern nach dem Weitergange des Traums fragen hörte, so erschien ihm jetzt sein Vater, wie er in einem Theaterparkett ohne Sitze herumging und Händedrücke austeilte. Als er Josef das sagte, verwunderte der sich: sein Vater könne doch nicht gehn, — unterbrach sich jedoch selber flugs, schlug mit der flachen Hand gegen die Stirn und rief:

„Aber natürlich! Sagen Sie doch: haben Sie nie gewünscht, daß Ihr Vater gehend sein möchte?“

Georg, in einem kalten Schrecken, bejahte stammelnd und sagte, er wünsche ja nichts als das, wenn er seinen Vater nur sehe, ja, er glaube, auch schon mehr als einmal ihn in seinen Träumen gehend gemacht zu haben ...

Ihm war, als sei seine Seele mit hundert feinen Haaren besetzt, an denen unaufhörlich gerissen würde. Montfort, ganz gleichmütig, fragte nach dem Fortgang des Traums. Georg besann sich und meinte, dann sei wohl der Festzug erschienen, erst als Film, fiel ihm ein, „und das war natürlich,“ sagte er, „denn wir hatten irgendwann am Tage — Sie erinnern sich, Bogner — verschiedentlich vom Kinematographen gesprochen. Und dann erschien Onkel Salomon, — ich meine,“ verbesserte er sich, „Papas Sekretär, Anna Chalybäus und ich nennen ihn Onkel —“

„Also wieder eine Kindheitsfigur,“ bemerkte Josef.

„Ja, und nun fällt mir ein, daß er mich ins Theater hineinwinkte mit Bogners Bleistift, und dann, als ich zum Festzug wollte, hielt er mich am Arm fest und —“

„Der getreue Eckhart,“ murmelte Josef.