„Und das andre Ding,“ sagte Josef, „von dem Ihr Traum alles weiß und auch — wie Sie vielleicht gleich sehen werden — alles verrät, ist — Ihr Leib, Ihr Blut, Ihr Geschlecht.“

Bei Gott, dachte Georg, bei Gott!

„Alle Träume, die nicht Angst sind, sind Beschwichtigung. Alle Träume sind irgendwie geschlechtlich, wenn Sie das recht verstehen wollen, daß ich sage, der Geschlechtstrieb sei der einzig einige Trieb allen und allen Daseins auf Erden, — ungenau ausgedrückt, doch das würde uns zu weit führen. Demnach — wenn Sie sich etwa vor Enthüllungen fürchten, so wollen wir es mit dieser Probe meiner Traumdeutung bewenden —“

Georg fuhr hastig verneinend auf. Dieser Magier, dachte er, dieser Magier! Montfort hatte sich unterweil, wie Georg nun sah, ein neues Glas Pilsener kommen lassen, prostete Georg freundlich zu und trank mit Behagen die goldene Flüssigkeit unter der dreifingerbreiten weißen Schaumschicht fort, wischte sich danach sorgfältig mit seinem duftenden Tuche den Bart und fuhr, die gelbe Seide in den Händen zusammenbauschend, fort.

„Also dieser Maler hier suchte seinen Bleistift. Ja, nun sagen Sie mal ... waren Sie denn so wütend auf ihn?“

„Wütend? Im Gegenteil!“ Georg, in Verlegenheit, da er den Maler lächeln sah, wehrte sich heftig. „Im Gegenteil, ich hatte ihn an dem Tage kennen gelernt, er machte einen außerordentlichen Eindruck auf mich, ich empfand die größte Vereh—“

Er stockte, da der Maler, die Unterarme auf den Tisch legend, sich zu ihm hinüberbeugte und leise sagte:

„Ach wo! Ich erinnere mich, daß Sie höchst aufgebracht gegen mich waren, weil ich Ihnen nicht meine Gedanken verraten wollte, als —“

„Genug, genug!“ unterbrach Montfort leutselig, während Georg errötend alles zugeben mußte, „ich weiß nun alles. Sie hatten sich über den Maler geärgert, also mußte er sich im Traum ärgern, indem er suchte und fluchte und —“

„Aber ich selber hab ihm doch geholfen!“ schrie Georg.