Gott im Himmel Lob und Dank!“ stöhnte er endlich mit letzter Inbrunst, „München liegt hinter mir, München war ein böser Traum, ein Alp, eine Erfindung. Nun wollen wir anfangen zu leben!“

Sprachs, packte Benno am Rockschoß und fuhr ab mit ihm durch die Räume, über Stufen, den Flur hinunter ins Freie, wo es dann Benno gelang, seine Hände zu fassen und fast aus den Gelenken zu schleudern vor überströmendem Gefühl.

Danach schlenderten sie, noch aus Beschämtheit ein wenig und schon aus Gewohnheit wieder schweigsam, die Allee hinunter und weiter bis ins Zentrum, verabredeten, am Abend die Oper hören zu wollen — Figaro! Benno strahlte; nein, seine Mutter würde nichts dagegen haben — und schieden. Georg begab sich zum Hotel, um seine Briefe zu schreiben, indem er schon, mühsam sich sammelnd, an den Worten für Magda zu arbeiten begann. Ach, er würde ihr gut schreiben, sehr gut ...

Achtes Kapitel

Hotelzimmer

In der Halle meldete der Pförtner Georg, sein Vater warte bereits seit drei Stunden auf ihn.

Mama! durchzuckte es Georg, doch das war ja Unsinn; dann wäre sein Vater nicht hier, aber hundert ängstliche Erwartungen im Gehirn lief er die Halbtreppe hinauf. Im Zimmer saß sein Vater und rauchte, halb verhüllt von den grauen und blauen Rauchschwaden. Georg sah, als er auf ihn zutrat, daß sein Gesicht grau und verfallen war; um so wunderlicher schien ein Ausdruck von Kühnheit und Hoffärtigkeit, der die schiefe Nase schiefer und hakiger bog; die Augen funkelten einen Augenblick mit unverkennbarem Sarkasmus, und der verwilderte Schnurrbart sah wie ein entsetztes Gespenst aus. Das bärtige Kinn hebend, Atem schöpfend, sagte er:

„Setz dich. Es ist eine verfluchte Sache, mein Sohn, da zu sein und noch drei Stunden warten zu müssen. Setz dich und mach dich stark. Ich gäbe dir am liebsten eine einfache Erklärung, jawohl einfache Erklärung — ab, aber aus gewissen Gründen ist das unmöglich.“

Der Herzog wehrte, die Augen zusammenkneifend, eine Qualmwolke ab, legte das Ende seiner Zigarre in die Aschenschale und ergriff eine schwarzlederne Aktentasche, die neben ihm im Sessel stand. Er nahm zusammengeheftete Aktenbogen heraus, bog eine Ecke um, als ob er zauderte, stieß dann die Blätter gegen Georg hin und sagte: „Da! Selber lesen!“

Georg nahm. „Kennst du die Handschrift?“ hörte er fragen.