Georg stürzte zur Tür, aber als er neben Fliddridd vorbei wollte, fühlte er, wie sein Rock sich straffte; sie hielt ihn fest, ohne daß sie selber sich bewegte. Sich umdrehend sah er Onkel Salomon schon vertieft, mit beiden Händen tastend in seinen Papieren suchen.
„Was giebts denn?“ fragte er ungeduldig.
„Wann gehts denn fort, Durchlaucht?“ fragte sie, ohne ihn anzusehn.
„Herrgott, ich bin ja grade gekommen!“ rief er mit unterdrückter Stimme und setzte, da sie fortfuhr, still vor sich nieder zu blicken, achselzuckend hinzu: „Keine Ahnung!“
„Wo gehts denn hin?“ fragte sie wieder.
„Auch keine — das heißt — vielleicht nach München.“
Jetzt bekam er ein feuchtes Geglitzer aus den Augenschlitzen zugeblitzt, während sie fragte, ob er ihr eine Ansichtskarte schriebe. Georg sah das bleiche und trockne Mädchen gegenüber, die sich über ihren Diktatblock beugte, als sagte sie innerlich: Diese alberne Gans! —
„Natürlich! Zweie!“ versicherte er.
„Tchöh!“ sagte sie plötzlich, die linke Hand hinhaltend als spitzes hartes Dach mit angeklemmtem Daumen, aber ehe er ihre Fingerspitzen berührte, zuckte sie zurück, sie sprang auf, lief zur Flurtür, warf sich mit dem Rücken dagegen, lachte ihn hell an, steckte die Zunge heraus und wirbelte nach draußen, die Klinke mit dem Ellbogen herunterdrückend.
So Mädchen, dachte Georg, sich zur Tür wendend, so Mädchen sind doch zu merkwürdig! Warum sind sie wohl so? —