Georg wehrte ab, es sei gar nichts, jemand, ein Fremder, ein Bekannter des Malers, den er wohl gesehn habe, sei in den Teich —, Georg brach ab, da ein unsichtbares Telephon anzirpte. Doktor Birnbaum warf wieder alles mögliche zur Seite und übereinander, Aktenbogen, blaue und gelbe Mappen und offene Briefe, griff den Telephonhörer von der Gabel und sagte, den Ellbogen auf die Platte stützend, hinein: „Ja?“
„Immer sagt er bloß „ja“ ins Telephon“, bemerkte Georg halblaut zu Fliddridd hinüber, die lachte: „Nich wahr?“
„Flora?“ hörte Georg ihn weiter sprechen, „mit Magda? Ja, das frage ich ja eben.“
Er lachte, drehte sich im Hören zu Georg und redete, ihn mit seitwärts horchenden Augen anblickend, weiter, so daß Georg das Gefühl hatte, er und seine Frau drüben redeten gleichzeitig.
„Ja ... ja. Georg ist eben da. — — Ja. — — Ich frage ja eben, er sagt ... No, was wirds denn schon sein? Gar nichts wird es — — Was? Hineingeritten? No, er kann dirs ja selber ... Wie? ... Er kann dirs ja selber, sag ich ... No, also schon gut. Erkältung? Ach, wo wird sie sich gleich erkälten! Das Wasser — — — was? — — das Wasser ist ja ganz warm. Also — —“ Seine Stimme mit den breiten Altenrepener A-Lauten wurde allmählich kleiner, er sagte nur noch eine halbe Minute lang: „Ja — — ja — — ja — — ja — — ja — — ja — — ja — —“
Auf einmal legte er den Hörer hin, hatte sich aber kaum zu Georg zurückgewandt, der behaglich wie im Schauspiel den feinen Rauch seiner Zigarre schluckte, so flötete es wieder, er nahm den Hörer wieder, sagte sein: „Ja?“ und nach einer Weile schmolz sein ganzes Antlitz langsam in großen, verklärenden Glanz auseinander, sein ganzes, kräftiges Gesicht triumphierte, er lehnte sich breit zurück wie ein Bankdirektor und schrie, während Georg schon verging vor Wißbegier:
„Also wer — — also wer hat das gesagt? Was hab ich gesagt, Durchlaucht, was hab ich —?“ Er klopfte, aufgeregt Zeugnis ablegend, mit den Fingerspitzen der linken Hand auf den Rockaufschlag, so daß der Aschenklumpen von der Zigarre über den Handrücken fiel und zerstäubte, und, den Kopf in zufrieden gekränktem Triumphgefühl wiegend, redete er fort:
„Heute morgen, hab ich gesagt, würde er —“ Georg lauschte angespannt, um etwas zu erraten, „heute morgen, sagt ich,“ wiederholte er beschwörend, „würde er — — — also, no! Wer hat also recht gehabt?“ Er lachte nachgiebig: „Ich weiß doch, was ich weiß ...“ Und, nachdem er gehorcht hatte: „Ich weiß doch, was ich weiß, sag ich! Wann will er denn — —, ich meine, wann soll er — —, ist denn nichts vom — —“
Ja, da saß nun dieser Patriarch und konnte nicht einen einzigen Satz zustande bringen, so sehr waren diese Geschäftsleute gewohnt, sich mit Anschnitten zu begnügen, aus denen sich alles mögliche erraten ließ, was der andre nun grade wollte, und Georg, da er wieder abbrach, schrie wutentbrannt: „Was ist denn los, Onkel?“
„Georg will wissen, was — —“ schrie der Doktor in die Sprechmuschel, „wie beliebt? Ja, Georg ist eben da, er — — — soll er? — — — Er kommt selber zu Ihnen? Also schön! No, — no, — also ich gratu — wie? — — ich gratuliere, sag ich! Also ... Ja — — ja — — ja — — ja — —“ Es war zum Haarausraufen.