Er sah allein im heiligen Gelaß
In der Madonna Bild die Lippen blühen.
Georg war hingerissen, so wundervoll klang es, — nicht das Gedicht — Georg verstand, ja hörte nicht einmal ein einziges Wort, — sondern der Strom der Sprache, der unsäglich mühelos, ohne die leisesten Erhebungen, von zartester Melodik in sich selbst, dahinfloß und verhallte.
„Ja, aber,“ fragte er nun verstört, „woher können Sie das?“
„Mein Gedächtnis wünscht es so“, sagte al Manach ein wenig entschuldigend. „Ich las es vorhin, und nun — was ich auch lese, ich behalte es immer gleich auswendig, wenn Sie wollen auch andersherum,“ und er fing an: „Blühen Lippen die Bild Madonne der in Gelaß heiligen —“
„Um Gottes willen,“ schrie Georg, „das ist ja entsetzlich!“
„Nicht wahr? Und nun werde ich Ihren verwirrten Anmutston nicht eher wieder los als im Grabe.“
„Sie Ärmster!“ klagte Georg, „aber was heißt verwirrter Anmutston?“
„Das ist der Ton, in dem Sie dichten. Ihre Gedichte sind köstlich, allein man versteht sie nicht.“
Die Selbstverständlichkeit, mit der das gesagt wurde, verhinderte Georg, sich gekränkt zu fühlen; immerhin fragte er: „Verstehen Sies auch nicht, Herr Bogner?“