„Ich fürchte, Woldemar, Herr Leutnant Kaspar wird beim Fortfliegen noch die Wetterfahne von Helenenruh mitnehmen oder ...“

„Die Wetterfahne, Helene? Ein Leutnant und Wetterfahnen? So was mußt du nicht sagen. Wenn noch —“ Georg hörte den Baschkirtseff einen Vers aufsagen, in dem sich Mensch auf wetterwendsch und „äußerst wenig vaterländsch“ reimte, während der Herzog zu Ende sprach: „— der alte Stechlin lebte, der sammelte ja welche, da könnte er sie hinbringen.“

„Also, Chalybäus, da müssen Sie aufpassen!“ mahnte die Herzogin.

„Ums Himmels willen, Durchlaucht! Ich habe eine erwachsene Tochter, man wird sie mir über Nacht entführen, samt Wetterfahne und allem!“

„Was für Zeiten!“ klagte sie. „Früher kamen Götter in Schwanengestalt, heute werden Schwäne überfahren, wobei mir die Leda von Klinger einfällt. Hat er nicht jetzt ein Wandbild in Leipzig gemalt? Kennen Sie es, Herr Bogner?“

Bogner war seines Wissens nie in Leipzig gewesen.

Dann mußte Georg es wissen, und, von seiner Mutter lächelnd angeblickt, merkte er sich schon den Mund öffnen und erklären, es wäre eigentlich kein Bild, sondern mehr eine große Illustration.

„Was für einen klugen Sohn ich doch habe“, sagte seine Mutter und hob die Tafel auf. — —

Zu Georg sagte sie dann, als er zum Handkuß zu ihr kam, er dürfe jetzt einmal eine Weile verschwinden, sie habe mit seinem Papa ein paar Worte zu reden, und er merkte an ihrem Lächeln tief gerührt, daß es sich um seinen Geburtstag handle, — auch daran dachte sie. Anna, die plötzlich neben ihm stand, meinte leichthin, sie könnten vielleicht noch ein Stückchen gegen den Deich gehn, zu Lornsens Mühle, und sehn, wie der Mond aufginge.

„Schieß Mäuse! Georg!“ rief sein Vater, „bleibt aber nicht zu lange, sonst trinken wir die Bowle allein!“