Sie gingen hinaus, traten aus der Tür und — halloh, da standen sie! „Ja, was sagen Sie nun?“ fragte Georg triumphierend.
„Es ist ein Staat“, sagte sie und ging schnell zum Vordersten der beiden großen, stämmigen Belgier, die unbeweglich hintereinander standen, weiß und rot gesprenkelt, mit weißem Lederzeug. Auch der Gärtner hatte seine Sache brav gemacht und den Dogcart sehr leicht in die schwarzen Iris gepackt; die Räder waren durchsichtige Scheiben davon.
„Graue Iris,“ sagte Renate, „Georg, das ist wirklich schön!“
„Raffiniert, heißt es,“ lachte er, „sehen Sie wohl: Schwarz, das nicht Schwarz, Weiß, das nicht Weiß, und Rot, das nicht Rot ist! Steigen wir ein.“
Ja, dieses war ein wahrhaft königlicher Tag. Leicht klangen die Schellen vor der Brust der locker vorwärts stelzenden Pferde, leicht und locker wippte das Wagengestell. „Schade,“ meinte Georg, „daß Sie nicht spüren können, wie die Pferde im Zügel gehn, als wären sie blind; nur von Zügel und Peitsche hängen sie ab, geben Sie acht, ich lasse einen Augenblick locker! jetzt!“ Der Wagen rollte langsamer, die Pferde standen still. Georg schnalzte, warf die lange Peitschenschnur wie eine Angel aus, und es ging leicht und locker um den Rasenplatz weiter.
Die Alleen waren ein Gewimmel schwarzer und weißer Menschen unter einer goldenen Schicht von Staub; Blumengestelle, fahrende Ungetüme, die Kutscher, Reiter ragten drüber hinweg. Vorsichtig tastete er sich mit den Pferden durch das Getümmel den Fahrdamm hinunter zum Ende der Alleen und bog um ins Innere der Lindenreihn, den vor ihm rollenden Wagen folgend. Ah, ja die Rotschimmel erregten mächtiges Aufsehn, wie sie fast nackt in dem dünnen Riemengeschirr das schwärzliche Gefährt dahinrollen ließen. Georgs Sinne fingen heftig an zu glühn. Das ist diese herbe Rinde um ihre Gestalt, dachte er, um Gottes willen, ihr Mund ist ja zum Tollwerden! Und dies Profil, und dies Lächeln!
„Ha,“ sagte er, „sehen Sie, die Leute fangen an zu grüßen. Ich hoffe, sie denken, ich fahre meine Braut. Welch ein Jammer, daß ich nicht regierend bin, dann würden sie Hurra schrein.“ Dies scheint mir wirklich haarsträubend natürlich, dachte er innerlich. Die Militärmusik rauschte auf, Staub wölkte, Wagen um Wagen rollte vorbei. „Aufgedonnerte Gemüsekähne“, murrte Georg. „So, da wären wir am Ende.“
Langsam drehten die Pferde sich um ihre Mitte und liefen den Weg zurück. Georg, Renates Profil unverrückbar in den Augenwinkeln, hing am unaufhörlichen Spiel der braunroten Ohren, er wehrte traumverloren die Fliegen von den blanken Rücken, — ununterbrochen gingen die Stummelschwänze hin und her. Die Menschen drängten unter den Bäumen heran, Mädchen knicksten scharenweise, Renate neigte das entzückt scheinende Gesicht, und Georg nannte sie die Königin des Tages.
Da waren sie wieder am Ende. Renate meinte, noch einmal hinauf, dann sei es wohl genug. — An diese Augenblicke, dachte Georg, werde ich mich niemals erinnern, aber sie sind doch kostbar. Ach, da steht ja Benno! „Sehen Sie, Renate, da steht Benno und strahlt!“
Sie nickte und winkte, Benno, hochrot, warf den Kopf zurück, lächelte beseligt und verbeugte sich tausendmal.