Heftig schrillte das Telephon. Georg legte das Buch aus der Hand, ging hin und hob den Hörer. Magdas Stimme fragte, ob er es sei; er bejahte, und sie bat um Verzeihung, daß sie störe, aber ihr Vater sei in der Nacht gestorben. Ja, als sie am Morgen ins Zimmer gekommen sei, habe er tot im Bett gelegen.
„Es ist ja wohl gut, Georg,“ hörte er sie sagen, „er hat ein sanftes, unbemerktes Ende gehabt. Und nun wollte ich dich bitten ... Wie ist es, hast du nicht Pfingstferien?“ Georg bejahte. „Dann, — könntest du vielleicht ein paar Tage kommen und mir helfen? Ich habe hier eigentlich niemand und —“ Georg unterbrach sie mit heftigen Versicherungen, daß er sofort komme, und sie endeten das Gespräch.
Eine Weile ohne feste Gedanken stand Georg hinter dem Sessel, in dem das aufgeschlagne Buch lag, nahm es dann auf und las willenlos das Gedicht zu Ende:
Mitleidiges Leuchten sich und singt von dir:
Nichts das von dir nicht lebte, selige Sonne!
Da ist nichts so gering: ich liebe es doch
Und dränge mich daran mit Auge und Lippe.
Auch im Verworfenen fand ich den Spiegel,
Darin die Gottheit gerne sich vergißt.
Nun lächelte er trüber, fragte sich, ob Cora der trübe Spiegel von Renate sein solle, und ob er davon wirklich entzückt sei, wenns der Fall wäre, legte das Buch in die Schieblade, stand davor, die Schlüssel in der Hand, und konnte sich auf nichts besinnen. Endlich fiel ihm ein: Kursbuch! — Er fand es auf dem Schreibtisch, sah, daß es zum Zwölfuhrzug schon zu spät war, daß es bis zum Dreiuhrzug ihm zu lange dauerte, ging hinaus und befahl dem Hausmeister, den Reitknecht zu den Adlerwerken an der Goseriede zu schicken und einen Wagen zu mieten. Er selber half dem Diener den Koffer packen. Danach ging er zu Cora und sagte, er verreise, was sie zu tun gedenke. Oh, sie würde warten, meinte sie leichthin.