Sie lag in dem selben Sessel ausgestreckt, in dem er eben gesessen hatte. Ihn schauderte vor ihrem ganzen körperlichen Dasein, an dem keine Stelle nicht abgenützt war durch Liebkosung und nicht nur durch seine. Ob sie tatsächlich nicht zu ihrem Mann zurückwolle, fragte er.
Sie habe es ihm ja gesagt; ihre Ehe sei längst keine mehr, sie hätten sich bloß noch körperlich gebraucht, sie sei das müde, ihr Mann vermutlich auch, aber man könne ja nicht wissen, vielleicht liebte er sie noch immer, sie aber könne nicht mehr.
„Du hast eignes Vermögen?“ fragte Georg in Gedanken. Sie zuckte die Achseln und meinte: „Genug für mich!“
„Ich werde“, sagte Georg langsam, „nicht zurückkommen. Dies Haus ist zu deiner Verfügung, nur mußt du die Güte haben, in der Stadt zu essen.“
„Das heißt also, ich bin entlassen?“ fragte sie spitzig.
Georg senkte den Kopf und meinte, wenn sie es so ausdrücken wolle ...
Er setzte sich auf die Lehne des Schreibsessels, griff nach dem Schildpattmesser zum Briefaufschneiden und sah, daß es schwächer regnete; am Himmel, über den Bäumen, brach silbrige Helligkeit auf. Daß es grade Magda sein muß, die mich frei macht! dachte er gebeugten Sinnes, und vor ihm schwebte seltsam das Gesicht ihres Vaters.
Die Gedanken verliefen sich; er sah ungeduldig auf die Standuhr, indem trat der Reitknecht ein und sagte, der Wagen stünde draußen. Er hörte Cora etwas sagen, verstand es aber nicht, da er nun den Telephonhörer aufhob, den antwortenden Hausmeister bat, ihn mit Benno zu verbinden, dann Bennos Stimme hörte und ihm sagte, daß Magdas Vater gestorben sei und daß er hinfahre, um ihr zu helfen. Benno fragte nichts weiter, trug ihm Grüße auf, und jetzt war der Diener da mit dem Mantel. Er zog ihn an, schickte den Diener weg und ging auf Cora zu. Auf einmal hob sie die Hände wie Krallen, Lenuschs Gesicht erschien ihm in dem ihren, da sie die Lippen öffnete bei zusammengebissenen Zähnen. „Hüte dich!“ keuchte sie und warf sich herum, ihr Taschentuch in den Mund steckend. Da mußte er lächeln und sagen, sie werde ihm hoffentlich nichts kaputt machen in der Wohnung. Sie warf die Schultern hin und her, fiel in den Sessel und weinte. Sie tat ihm leid.
Cora, sagte er leise, legte ihr die Hand auf die Schulter und fragte, was denn aus ihnen Beiden werden solle.
Sie unterdrückte ihr Schluchzen, murmelte, er sei’s ja nicht wert, sie wollte nicht weinen. — Ach, sie hatte ihn doch wohl sehr lieb. —