Nun sprang sie auf und meinte kühl und hoffärtig, er hätte wohl recht, sie wolle fort. Da legte er den Hut wieder aus der Hand und sagte, er wolle ihr helfen, ihre Sachen zu packen. Sie ging, und er folgte. Das schöne Zimmer, kaum entstellt, machte ihn traurig, sie packten wortlos Coras Koffer und Handtasche, der Diener trug alles hinaus, Georg half Cora in den Mantel, sie gingen.
Im Wagen starrte sie abgewandt aus dem Fenster. Als sie in die Eichstraße einbogen, sah er, daß sie weinte. Aber sie übersah seine Hand, nickte nur, stieg aus und ging ins Haus. Der Diener folgte ihr mit den Koffern. Georg atmete auf und bedauerte sie erleichterten Herzens.
Was wird nun kommen? dachte er, als der Wagen sich wieder in Bewegung setzte.
Überraschungen
Georg, aus Berlin zurückgekehrt, hatte sich umgekleidet und trat eben aus dem Schlafzimmer hervor, als die Tür zum Flur von draußen geöffnet und — vom überragenden Benno vorwärtsgeschoben — etwas anscheinend sehr Liebliches über der kleinen Treppe sichtbar wurde, ein Mädchen in gesticktem weißen Kleide und gelben Schuhn, das Gesicht noch zurückgewandt unter einem großen und flachen, gelblichen Strohhut von ländlicher Form, einen leichten Feldblumenkranz um den Kopf und mit langen, nach hinten hängenden breiten Bändern von schwarzem Samt. Das Gesicht, das nun erschien — errötet und mit schüchternem Lächeln — war ganz und gar mädchenhaft, jung, zart, gerundet, großäugig, ja überaus lieblich wie das Ganze. — Benno aber kam jetzt die Stufen herunter gestürmt, fliegend über und über, fliegender langer Beine und Rockschöße und Arme, fliegender Stirne und Haare, fliegender Augen, ja selbst die rot angelaufene Nase im heißen Gesicht schien, sich krümmend und mit den Flügeln zitternd, entfliegen zu wollen, und so hatte er Georgs Hände gepackt, zerrte sie nach unten, riß sie nach oben und schleuderte sie wieder nach unten, stotterte und war glückselig.
„Das ist sie, Georg!“ Seine Stimme war ganz ins Tiefe umgebrochen. „Ich habe sie errungen! Nun nimm sie!“ Und die Stimme verhauchte ihm. Die Augen verkehrt in Scham und Wonne, ließ er Georg fahren, stürzte wieder zu dem oben noch zögernden und lachenden Mädchen, ergriff ihre Hand und rief, sie ritterlich zu ihm geleitend:
„Das ist Georg! Nun — sieht er fürchterlich aus? — Sie hat gedacht,“ kicherte er, und das eigene Lachen verschlug ihm die Stimme, „du müßtest schrecklich sein wie Artaxerxes!“ Und lachte unmäßig über den Witz.
Georg, bei allem Gerührtsein über Benno, fand sich wider Erwarten mehr überrascht als entzückt, dieweil er dem Mädchen entgegenging, lachte und fragte:
„Bennos Braut, das solls doch bedeuten, nicht wahr?“ Und er beteuerte seine Freude, klopfte Benno die Schultern, alle Drei lachten, das Mädchen eine erstaunlich melodische, fast romanhafte — dachte Georg — Silberlache, die Tonleiter hinauf und hinunter.
Rötlich blond war sie; die Scheitel, von der Stirnmitte über die Brauen zu den Ohren gesenkt, bauschten sich locker und zausig, und weißliche Streifen zeigten sich im Roten und Goldenen. Die Augen schienen gemischt Grau mit Braunem und Grünlichem. Oh, sie war hübsch.