„Aber wie heißen Sie denn, bitte? Benno, wie heißt sie? Denken Sie, ich weiß Ihren Namen so wenig, wie ich bislang von Ihrem Dasein etwas ahnen durfte. Wie kommt das, Benno, gesteh!“
Benno war tödlich verlegen. Doch — einmal — ganz im Anfang hätte er Georg von ihr erzählt, — von Begegnungen ...
Tausenden sei er begegnet, Tausenden! — Und wieder ertönte das gurrende Lachen hinauf und hinunter, während sie sich mit geschmeidiger Bewegung vor und zurück bog. Georg gestand, mit halbem Bewußtsein lügend: „Ja, Benno, wenn sie lacht, ist sie unwiderstehlich. Und nun bitte den Namen!“
Aber Benno ereiferte sich noch über die tausend Begegnungen, war selig gekränkt, eitel und beschämt und beteuerte, seit einem Jahr, wo er sie das erste Mal gesehn, habe er nicht eine einzige Begegnung gehabt. „Und sie heißt Elfriede!“ brachte er endlich, wieder verzückt, hervor.
„Elfriede Krumm“, sagte sie fröhlich und bewußtlos.
„Aber ich habe sie — Elfe getauft!“
„Wunderbar, Benno! das ist recht!“ lobte Georg, in diesem Augenblick seiner erst unbewußten Enttäuschung ganz inne. Der schändliche Zuname hatte sie ans Licht gefördert. — Ja, was ist denn? fragte er sich besorgt. Hatte ich etwas andres erwartet von Benno? Warum gefällt sie mir denn nicht? — Überdem sah er den blassen, stets lächelnden Egon dastehn zum Zeichen des Abendessens.
„Geh hin, Egon, gratuliere Herrn Prager, das ist sein Fräulein Braut.“ Während Benno des blassen Egon Arm auszureißen suchte, drängte Georg die Elfriede — Elfe gelang ihm zu denken nicht — zum Mitessen und bewegte sie, obwohl sie sich zierte — ihre Mama erwarte sie doch —, allmählich durch das Zimmers, dann zum Annehmen seines Arms und führte sie durch die Tür.
Er konnte sie von der Seite betrachten im Gehn. Ihre Nase war grade, kurz, schlecht und recht, — wie auch der Mund, der undeutlich und blaß war, ‚als Mund gemacht‘, wie Georg einfiel, der sich nicht von ihm verlockt fühlte. Und nun sah er etwas —, etwas Winziges nur, doch — es war etwas ... Am äußeren Augenwinkel nämlich zwei kleine Fältchen in der Haut, kaum bräunliche Fältchen, die sich bewegten, wenn sie, wie sie beständig tat, die Augen zusammenzog im Lächeln und Lachen. — Die sinds, stellte Georg unerbittlich fest; ich werde dahinterkommen, was sie bedeuten.
Und während das Mädchen nun am Kopfende der ovalen Tafel in der Apsis zwischen den Freunden saß, mehr lachte als sprach, Georg ihr von der Omelette und ihrer Füllung von kleinen Frühjahrserbsen mit der Bemerkung vorlegte, das sei „die einzig mögliche Speise für zarte Bräute“ und, so weiterhin scherzend, mehr albern war als heiter — was jedoch allein er selber zu bemerken schien —, prüfte er sie auf das genaueste.