Da schlug er die Augen auf.
Eine Weile unbegreifend, wo er sich befand, erkannte er langsam die braune Tür gegenüber mit dem hellen Lichtspalt von nebenan, dann in der Ecke rechts davon den kleinen Kamin mit dem Schattenriß des hängenden Teekessels über der roten Glut — langsam das ganze, kleine Zimmer, gefüllt mit Schatten, den Schattenriß des Tisches zwischen Kamin und dem Sofa, auf dem er saß, und er hörte die englischen, losen Schiebefenster knacken und leise prasseln unter gelinden Stößen des Nachtwinds. Im Nebenzimmer räusperte sich jemand, Benno ... Da saß er unsichtbar und komponierte bei seiner Lampe ...
Im selben Maß wie die Schlafbenommenheit entwich auch die Erscheinung des Traumes, nur die Erinnerung an den finstern Gang blieb noch; ihn schauderte leise im Gedanken des Sterbens, wie er sich auflöste, angstvoll und doch schon beruhigt ...
Da aber sah er wieder, wie immer, Renate, abgewandt von ihm, durch ein Zimmer gehn, undeutlich, nur ihre Erscheinung, fast nur ihre Haltung, als komme sie aus der Tür und ginge zu — zu einem Tisch — Georg sah ihn nicht — und legte etwas darauf, ein Buch, ein Schlüsselbund, worauf sie sich auflöste ... Immer dieselbe Erscheinung ...
Georg stand, trunken von Schlaf und Gefühl, vom Sofa auf, legte ein paar Stücke Holz in die Glut, setzte sich daneben auf den Stuhl am Tisch, klappte den daliegenden Briefblock auf, ergriff die Feder und stürzte sich ins Schreiben.
Serk, schrieb er, im Mai.
Galatea, o Galatea! Ich sterbe, ich sterbe ja vor Heimweh nach Dir! Im Traum eben litt ich einen leichten Tod, Du warst nicht in dem Traum, ich verstehe es nicht, wie konnte der Tod leicht sein ohne Dich! An meinem Leibe sind alle Adern geöffnet, das Blut strömt, auf jeder Welle entschwimmt mir Dein Lächeln mit dem fortfließenden Leben ...
Soll ich Dir Träume erzählen, süße Seele? Komm, höre einen Traum!
Es war ein Garten und ein Gebüsch. Eine Stimme war im Gebüsch, sie rauschte nur. Da kam ein Arm hervor, der die Zweige nach oben hob, ein weißer Arm, dann stand eine Frau in der Aprilnacht, holte zwei Schwerter hinter dem Rücken hervor, in jeder Hand eines, und stieß sie mir durch Rücken und Brust ...
In einer Nacht aber hatte ich diesen Traum: