An froher Flucht der silbernen Galeeren,

Und selig zitternd werfet ihr das Seil

Vor Königshallen an den Azurmeeren.‘

Durch euer Sehnen ... Georg zitterte, er glühte von der triumphierenden Schönheit der Strophen. Durch euer Sehnen nehmt ihr ewig teil ...

Ja, sein Teil war das. Sehnen — nach was? Nach oben doch, nach — nach sich selber zu immer höherer Geburt, besser zu werden, reiner zu werden, edler, tüchtiger, wissender ... Was wollte er denn auf einem Thron?

Bin ich nicht glücklich hier? Hilfst du mir nicht, süße, teure Seele, mein Auge immer wieder nach innen zu lenken? Wohnt nicht vielleicht doch ein Gott dort innen und pocht ein ewiges Werk, pocht bei mir und wirkt bei dir in immer strahlenderen Farben das Gewebe unsäglicher Liebe? Habe ich nicht genug, ernst zu sein, unruhig zu sein im unaufhörlichen Verlangen nach Besserem? Wenn es denn schon keinen Gott giebt, das Ahnen des Göttlichen, den Zwang des Göttlichen, den Hauch von Jenseits in der Brust? Habe — ja, habe ich nicht etwas Neues für mich allein, dachte er erleichtert in der Erinnerung an seine eigenen Verse, Neues — nein, sondern Uraltes, Anfängliches, älter und edler und reicher sogar an Ahnen, abertausend Ahnen in unablässig geistiger Beugung? Und mag mein eigenes Handeln als Bürgschaft solchen Ahnentums noch so bescheiden sein: der alte Geist hat doch Leben in mir und Bewußtsein. — Da stieg strahlende Heerschar vor seinen sinkenden Augen auf, Heroe gereiht an Heroe, Erzengel an Erzengel, unübersehbar, von George hinab zu Dante, zu Pindar, zu Homer, und wieder herauf im gewaltigen Schwung über unsterbliche Häupterschar zu Hölderlin, zu Novalis, zu George.

Georg legte nicht ohne Demut in der gedämpften Bewegung seinen Mantel ab, denn es trieb ihn, bei aller Abgespanntheit, seine Verse jetzt nicht unvollkommen zu lassen. Dabei schlug ein schwerer Gegenstand in einer Tasche gegen die Stuhllehne, er faßte, im Innern schon murmelnd und sich erinnernd: Hügel wandern blau im Rauch, — danach und holte geistesabwesend das Rubinglas hervor, lächelte flüchtig und wußte vor geistiger Abwesenheit, gleichzeitig nach Schreibpapier ausblickend, längere Zeit nicht, wohin er damit sollte. Endlich hatte er die Platte des Sekretärs herunter und auf die ausgezogenen Leisten gelegt, stellte das Glas nun ins Innere vor die kleinen Laden, öffnete Cordelias Schreibmappe, fand zum Glück einen Briefbogen, holte seine Niederschrift hervor und begann, das Ganze sorgfältig durchprüfend noch einmal zu bilden. Im Schreiben der letzten Zeile hörte er hinter sich die Tür gehn und sah im zerstreuten Sichwenden Cordelia, die ganz erschrocken schien, ihn nicht schlafend zu sehn.

„Komm nur, ich lese dir was vor“, sagte er. — „Wie du nur aussiehst!“ erwiderte sie näher kommend, „ganz überwacht!“

„Schadt nichts, setz dich nur!“ Sie blieb stehn, an den Kastenschrank zurücktretend, und er las, kräftig Takte herausfördernd und Reime:

„An den Schnellzug