Der Saum weißer Stifte, von dem die schwarze Roßhaarbespannung des Sofas gehalten wurde, war ebenso vergilbt wie an den breiten Stühlen, die den Tisch umgaben. Am kleinen Sekretär mit schräger, eingelegter Platte zwischen den Fenstern war die Fournierung hier und da gesprungen, eine Kante gesplittert, das Schloß war locker, ein Griff fehlte an einer der unteren Laden. All das gehörte sich so; es waren ehrsame Narben. Hatte Jason al Manach nicht einmal von den ererbten Dingen gesprochen? Georg wußte die Worte nicht mehr, allein hier redeten sie ja selber ihre gedämpfte, aber wie vernehmliche Sprache: daß sie hervorgegangen waren, einzeln wie die Könige aus einzelner Hand, die einsam von Grund aus sie gefertigt, liebevoll, verständnisvoll für ihr Ganzes, für unendliche Zeiten bestimmt zu dauern; und da waren sie wie damals, gealtert, viel genützt und unverbraucht, nur stattlicher in ihrer alten Erinnerung, ihrem Bewahrtsein, in der schlichten Gebärde, mit der sie um sich den Hintergrund schrieben, der zerfallen war: Menschen und Geschicke.
Ja, — und ich? dachte Georg.
Glänzend mit mächtigem Antlitz von Messing in ihrem die Decke berührenden Haupte stand die Älteste neben der weißen Tür, die standfeste Riesin, die englische Dielenuhr, die auch die Monate zu zeigen verstand; sie schlug langsam, wie im Geburtsjahr 1757, den selben gemessenen Pendelschlag, auf den hinhorchend Georg für lange Sekunden sich verlor. Sie tickt den Schritt der Sekunde, sagte er sich dann; das macht es so geruhig und wohltuend. Und wie vornehm, wie zurückhaltend war das gedämpfte Rücken im Gehäus! Ja sie war die Älteste.
Georg lächelte bitter. — Eigentlich sollte ja ich es sein. Ich, der sich einmal einbildete, mit Friedrich Barbarossa vor Akkon gelegen, bei Benevent für deutsche Sehnsucht gefochten und vielleicht das Leben verloren zu haben ... Ihm zogen Georges Verse aus den Romfahrern durch den Sinn:
‚Freut euch, daß nie euch fremdes Land geworden ...
... Wie einst die Ahnen, denen dürftig schien
Die kalte Treue vor dem Fürstenstuhle:
Wunder der Welt und Sänger Konradin!
Durch euer Sehnen nehmt ihr ewig teil