„Ja doch, Cordelia, warum denn sonst?“
„Aber — dein Vater?“
Sie sah ihn an durch Tränen unsäglicher Liebe und konnte nur die Lippen bewegen. Endlich fragte sie dann nach seinem Befinden; ob er nicht Ruhe brauche.
„Ja, ich würde mich gern etwas hinlegen. Und — sag mal — hast du was zu essen?“
„Ich werd schaun. Eier sind da. Und Salat. I werd halt schaun.“
Also wanderten sie umschlungen ums Haus, Cordelia verschwand in die Küche, Georg stieg ins obere Stockwerk hinauf. —
Die weiße Türe öffnend, mußte er den Atem anhalten, so erschreckend trafen ihn Glanz und Feierlichkeit, die der niedrige, kleine Raum vor ihm auftat.
Die tiefstehende Sonne flutete in vollem, glühendem Strom zu den Fenstern herein; Georg konnte zwischen den lodernden Gardinen und grünen Fuchsienstöcken — diese waren wie aus grünem Golde gehämmert — ihre brennend goldene Scheibe sehn. Der Raum, von güldener Woge erfüllt, glitzerte, funkelte und glänzte überall, die tiefe Lebendigkeit seines Alters, seine vielgenützte Würde und den Stolz der kunstvollen Erzeugung hier leise, hier vernehmlicher ansagend. An der rechten Wand, in den sehr dunklen Spiegelscheiben des holländischen Kastenschranks, der bis an die schweren Balken der weißgetünchten Decke reichte — Messinggriffe und Schlösser an den Schubladen blitzten wie reines Gold — dort war alles noch einmal, vertieft und dunkler zu sehn, geheimnisvoller: Sofa und Sofatisch gegenüber unter den Silhouetten in glänzenden Goldrähmchen und verblichenen Kreideporträten, von denen die dunkelblaugemusterte Tapete fast zugedeckt war, und daneben am Fenster — Georg wandte den Blick vom Gespiegelten hin und folgte dann selber hinüber — dieser Glanz war erstaunlich! Das flüssige Feuer lief in den vergoldeten Blätterleisten des hohen Spiegels, aus dessen Oberstück die arkadische Landschaft bläulich schimmerte, und, ein wenig vorgeneigt in der verschleierten Spiegelung des alten Glases wiederholte sich stiller, was auf der kleinen, goldhellen Platte des dünnbeinigen Birkentisches davor stand: der Abendmahlskelch, eiförmig aus dunkelblauem Glase, in silberne Rispen gefaßt, nach oben verlaufend vom Fuß wie die langöhrig ausgezogenen Henkel, zwischen denen der flache Deckel ruhte; dazu links und rechts von ihm starke, dunkelgelbe Kerzen in Messingleuchtern, — was alles flammte in seiner Ruhe und Heiligkeit.
Georg drehte sich um. Da überragte in seiner Ecke drüben der schmale weiße Ofen — stiller als alles übrige, weil vom vollen Leuchten nicht mehr erreicht — den Ofenschirm, dessen quadratischen Grund eine satte Schicht von grünem Feuer überzog um die roten und blauen Flügel seiner flatternden Papageien.
Georg blieb auf der Sofalehne hocken, fast schwermütig gestimmt; wovon? Von soviel Anmut, Lauterkeit und feurigem Leben? Womit habe ich das doch verdient? fragte er sich still.