Ja, nun würde es köstlich werden ... Georg drückte sich mit Behagen gegen die hohe Rücklehne des Präsidenstuhls zurück, die Tafel hinunterschauend, die kleine Fremde zur Rechten, ihren Mann zur Linken und weiterhin all die erwartungsvollen, blitzenden Augen und roten, vergnügten Gesichter, Schwalbes feste, bereitwillige Freundlichkeit und des überragenden Hardenbergs Georg zugewandtes Lächeln, das merkwürdig menschlich an dem, wie ein Zaunpfahl ungefüge zurechtgeschnittenen Haupte angebracht war.
„Entschuldigen Sie, Baronin,“ sagte Georg, „nun giebts einen Knall!“ und sie fuhr zusammen, als das Schlägereisen über die Tischplatte prallte. Dann sagte Georg schnell ein paar verehrungsvolle Begrüßungsworte auf und befahl — ihr zumurmelnd: „als erste Vorführung“ — den Salamander.
„Ad exercitium salamandri! Salamander incipitur eins, zwei, drei, eins!“
Georg spähte, während hörbar ringsum aus den angesetzten Gläsern das Schlucken gluckste und sichtbar die gelbe Flüssigkeit abnahm, nach Virgo — denn so nannte er sie. Sie sah großäugig, den Mund halb offen vor Staunen, zu ihrem Mann auf.
„Zwei, drei. Eins — — zwei — — drei.“ Die Gläserböden rumorten auf dem Tisch. „Eins! — zwei! — drei!“ Der Aufschlag sämtlicher Gläser erdröhnte tadellos. „Füchse haben nachgeklappt, in die Kanne eins, eins, Blume melden! Salamander ex, silentium ex, colloquium!“ schnurrte Georg zu Ende und setzte sich, nicht ohne Stolz.
„Wolf, was für’n — Unsinn!“ sagte sie hörbar in das allgemeine Schweigen, worauf ein Gelächterhallo folgte. Drei, viere begannen auf sie einzureden, aber sie schnitt alles ohne weiteres ab und gebot spöttisch: „Na denn weiter! nächste Nummer!“
Georg schlug vor, ein Lied zu singen. „Von Scheffel,“ sagte sie, „die sollen ja so komisch sein,“ und da mehrere Stimmen den ‚Enderle‘ beantragten, befahl Georg diesen. Das Klavier ertönte, vier, fünf Hände reichten ihr Liederbuch der Kleinen, Füchse kamen viel zu spät, aufgeregt noch blätternd, zu dem selben Zwecke herangesegelt, Georg erhob sich, das Lied begann.
Leider verzog sie, wie Georg bemerkte, bei keinem der köstlichen Verse eine Miene; selbst das ‚Jetzt weicht, jetzt flieht, jetzt weicht, jetzt flieht, mit Zittern und Zähnegefletsch!‘ entlockte ihr kein Lächeln, und das Lied war aus.
„Aus“, sagte sie seufzend und sah umher. „War das komisch?“ Sie zog ein Gesicht, als argwöhnte sie, daß man sich über sie lustig machte. „Warum singt ihr dann nicht lieber von Christian Morgenstern etwas; darin ist doch wenigstens Sinn. Na, also dann weiter, was giebts noch zu sehen?“
Also wurde ihr der Trinkkomment vorgeführt. Ein Feuerwerk von Zuprosten nach allen Seiten sprühte. Vor-, mit-, nachkommen, übers Kreuz, unter demselben, definitiv, bis keiner mehr wußte, was er wem schuldig war, während die Füchse in die Kanne steigen mußten, daß sie verreckten, in den Verruf flogen und sich verzweifelt herauspaukten, der aus dem zweiten, der aus dem dritten, ein Tohuwabohu, in dem sie immer stiller und immer blasser und immer schmaler an ihrer Stuhllehne wurde, selten matt lächelnd, wenn jemand auf ihr Spezielles mit ausgeschlossener Löfflung trank, — als wovon ihr Georg erklärte, daß es keine Beleidigung sei, sondern eine Ehre.