Drinnen gab er ihm den Vertrag und bat ihn: sich das mal anzusehn. Kalt und zitternd setzte er sich, nahm eine Zigarette und steckte sie an. Töpfer las stillschweigend, es dauerte endlos. Aber er sah doch einmal auf, lächelte hocherfreut zu Georg, dann auch zu dem Levite hin und sang:
„Ein sehr interessantes Dokument, das Sie da haben! Ist es echt? Aber fabelhaft interessant! Also — oder muß ich schweigen?“
Da Georg nickte, fuhr er zu dem Polen fort: „Herr Topf, denken Sie, giebt mir hier einen Vertrag zwischen dem ehemaligen Herzogtum Trassenberg und dem jetzigen Großherzogtum Beuglenburg, aus dem Anfange des vorigen Jahrhunderts. Damals wurde Trassenberg wie so viele andre kleine Staaten mediatisiert und kam an Beuglenburg. In einem Geheimvertrag aber, diesem, den Sie hier sahen, wurde beschlossen, daß dies nur für hundert Jahre der Fall sein, daß danach Trassenberg wieder selbständig ...“
Er brach ab, während in seinen Zügen das gleiche Lächeln aufbrach wie im Gesicht des Polen. Der streckte die Hand mit einer kleinen Verneigung gegen Georg, nahm den Vertrag, sagte auch, immer lächelnd und den Kopf wiegend: „Sehr interessant!“ las da und dort und gab Georg das Papier zurück.
„Ich habe gehört,“ sagte er, „von diesem Herzog Traßberg. Man nennt ihn: der Genosse, es ist ein Scherz, aber er ist ein kluger Mensch, ein guter Mensch. Wenn wären alle Fürsten ihm gleich, wir hätten längst — der soziale Staat.“
„Ja, und nun,“ sagte Georg ungeduldig, „was meinen Sie eigentlich von so einem Vertrag?“ Sich verwirrend, da es ihm widerstrebte, noch von seinem Vater wie von einem Fremden zu sprechen, fuhr er fort: „Ich meine: gilt er heutzutage oder ...?“
Die Beiden lächelten wieder, und Töpfer sang hoch auf:
„Da Sie, verehrter Herr Topf, dies Papier in den Händen haben, so sehen Sie ja, was es wert sein mag!“ Georg, zornig, als könnte er ihm doch das Gegenteil beweisen, nahm das Schreiben des Hofmarschallamtes aus der Tasche und gabs hin. Töpfer entfaltete es achtsam, las die Überschrift, stutzte, las weiter, blickte auf und fragte mit den Augen. Georg, lächelnd wider Willen: „Na ja, also ich bin der da!“
Töpfer sprang auf, schlug die Hände zusammen, merkte aber alsbald die Unordnung seiner radikalen Gefühle, ward hochrot und krähte:
„Ja, da sage man nun gar nichts mehr! Herr Levite, der Herr Topf hier ist der Prinz Trassenberg!“