Indem drehte er sich zu Saint-Georges um, sah Irene und fuhr mit den Schultern zurück. Dann biß er sich auf die Lippen, sagte: „Guten Abend, Frau Herzbruch!“ und gab Saint-Georges die Hand.
Er ging zur Tür, Irene wich nun zur Seite und neigte den Kopf grüßend. Er blieb stehn. „Sie wußten vielleicht nicht, daß ich Otto bat, mich bei meiner Schwester zu treffen?“ fragte er.
„Doch, ich wußte es“, sagte sie.
„Entschuldigen Sie nur,“ rief er leicht, „ich dachte, Sie wären aus Zartgefühl hergekommen.“ Und ging hinaus.
Irene nahm eine Hand aus dem Muff und schob den Schleier hoch, ohne etwas zu sagen.
„Guten Abend, Irene!“ rief Renate, während Saint-Georges zu ihr ging. Da stampfte sie plötzlich mit dem Fuß auf und schrie: „Gott sei Dank! Gott sei Dank, daß er weg ist! Lange genug hats ja gedauert!“
Unter der dreieckigen, fest um den Kopf gezogenen Mütze sahen ihre Augen diamantschwarz unter den Schleierfalten hervor. Sie ging mit harten Schritten zum nächsten der beiden Flügel, warf ihren Muff darauf, zerrte den Knoten ihres Schleiers am Hinterkopf auseinander, warf den Schleier auf den Flügel, riß die Pelzkappe ab und warf sie dazu und fuhr sich mit den Händen in die festgedrückten Locken, um sie aufzurichten; danach ließ sie die Arme fallen, machte einen Schritt, stützte die Hände auf die Hüften und blieb so stehn, mit hängendem Kopf, an der Unterlippe nagend. Renate sah alles mit an. Irene warf den Kopf zurück, trat rückwärts an den Flügel, legte eine Hand auf die Platte, trommelte mit den Fingern, sagte endlich:
„Ja, Renate, jetzt ists also aus. Nun hats eine Ende mit Schrecken genommen, das soll nicht schaden. Gott sei Dank, ich habe durchgekämpft und brauche mir keine Vorwürfe zu machen.“
Was aus sei, fragte Renate unzufrieden.
„Na was! das mit Klemens!“ Oh, Renate sollte schon wissen, wie sie gekämpft und sich erniedrigt habe! „Erst sollte es eine Probezeit auf acht Tage sein, damals —“