„Gut, Irene, ausgezeichnet!“ lobte Jason, „damit trafst du das Richtige.“
„Schweig, Jason! Und immer hackte er auf meiner Kinderlosigkeit herum! Nein, höre, da fällt mir etwas andres ein, was er sagte. Einmal konnt ichs nicht lassen und fragte, was das denn eigentlich für eine Freundschaft wäre, wo einer sich um den andern jahrelang nicht kümmerte. — Das wäre das Feine dran, sagte er. So, sage ich zu Otto, und wenn ich mich jetzt zwei Jahre Gott weiß wo herumtreibe, dann ists dir wahrscheinlich auch egal. — Darüber habe ich noch nicht nachgedacht, sagt er. Ist das nun vielleicht eine Antwort?“
Glühäugig stand sie da und blickte Renate an. Jason machte erstaunte Augen.
„Ich hatte gedacht,“ sagte er, während Renate ein Lächeln verbiß, „du wolltest von Klemens reden? Nun,“ sagte er und zog sich befriedigt zurück, „du hast ja recht: ein Mensch ist nicht mehr wie —“
„Ja, nun verwechsle ich sie schon“, murmelte Irene, kniff den Mund zu und sagte böse: „Einer ist mir so fremd wie der andre.“
„Höre mal übrigens,“ fing Jason an, „du hast das wohl auch verwechselt. Klemens redete von Freundschaft, und du von Ehe.“
„Ah, sieh, Jason!“ höhnte Irene spitzig, „du hast wohl auch seine Meinungen über Liebe und Ehe und so.“
„Wenn du mir die seinen vielleicht sagen möchtest ...“ meinte Jason.
„Also, einmal frage ich ihn ganz bescheiden, ich hätte eigentlich noch immer etwas Zeit übrig, namentlich im Winter, ob er nicht auch meinte, daß ich mich fürsorgerisch betätigen sollte. In meinem Staat, sagt er, gewiß nicht. Er bemühe sich seit zehn Jahren, das Recht auf Kindersegen für jede Frau durchzusetzen, und ich prätendierte das Recht auf Kinderlosigkeit. In seinem Staat, und so weiter, und ob ich eigentlich wüßte, wieviel Frauen ich die eigentliche Vollendung ihres Daseins wegnähme. Ja, weißt du, warum? Weil ich einen Mann für mich beanspruche, von dem andre Kinder haben könnten. Und damit —“ ihre Stimme wurde heiser und überschlug sich, „kletterte er im Handumdrehn zu der Behaup—“ Ihre Stimme versagte, sie mußte husten und hörte lange Zeit nicht auf.
Das sei aber mal nichts Besondres, meinte Jason enttäuscht; nein, das fände er nun äußerst natürlich und wahrheitsgemäß geredet. Ob er denn sonst nichts gesagt hätte?