Fremd allen Andern, hatte ich Deine Augen immer lieb. Nun, indem ich fortzugehen bereit bin, sehe ich, daß niemand da ist, von dem zu scheiden wäre, also auch niemand, den der Grund meines Fortgangs etwas anginge, zumal ihn nennen, das teuer gehütete Geheimnis meines Daseins preisgeben hieße. Da sehe ich Deine Augen vor mir in jener Sekunde, wo man Dir mein Fortgehen berichtet, und mir scheint, daß sie verstehen möchten — und nicht so wie die Andern. So reiche ich Beides — Grund und Geheimnis — Dir, schon abgewandt, ohne mehr wissen zu wollen, ob Du trauern wirst oder richten.
In beiden Fällen: Beklage mich nicht. Es ist gut so.
Aber ich erhoffe ein wenig Trauer.
Tastozzi.“
Georg, nichts begreifend, bemerkte jetzt ein kleines Zeichen, einen schrägen Strich zwischen zwei Punkten in der rechten Ecke unten, das ‚wenden‘ zu bedeuten schien, und drehte scheu die Karte herum.
„Es geschah aus Liebe zu einem Knaben“, las er.
Er zuckte leise zusammen. Langsam erschienen hinter dem Licht die Köpfe der Sitzendem von denen keiner ihn ansah. Schwalbe blickte nach oben; die Andern sahen vor sich hin. Viele Sekunden lang blicklos dies vor Augen, merkte Georg, daß er etwas in sich niederkämpfte, merkte, daß es — Widerwille war, und drückte es entschlossen hinunter. Sich aufrichtend, sagte er leise:
„Ja. Es steht hier. Er wünscht aber, daß ich es für mich behalte.“
„So.“ Ellerau streifte mit einem Blick über Georg hin; die Andern lösten ihre Haltung und bewegten sich. Keiner sah Georg an.
Da spürte er im Augenblick klar, daß er und der Tote für diese zusammengehören. Keine Feindschaft — doch auch nicht Freundschaft. Sie hatten ihn — außer vielleicht Schwalbe — nie begriffen. Wie war er zu ihnen geraten?