In einem leichten Hochmutsgefühl neigte er den Kopf und ging stumm hinaus.

Die Haustür öffnend empfand er jählings eine so übermächtige Sehnsucht nach Renate, daß er sich geblendet fühlte und blindlings die Richtung nach ihr einschlug, bis er Schritte beharrlich neben sich bleiben merkte und seitwärts blickend Schwalbe erkannte, der lächelte und sagte: „Ich komme mit dir, wenn du erlaubst.“

„Du weißt, weshalb er starb?“

„Ich weiß es nicht,“ sagte Schwalbe, „aber — ich ahnte es immer.“

War es zu ahnen? fragte Georg sich. War ich so arglos?

„Und was denkst du davon?“

„Was soll ich davon denken?“ fragte Schwalbe frisch und fest. „Wenn sie Jugendliche verführen, sind sie Verbrecher, und wenn sie das nicht tun, sind sie zu beklagen. Und ich weiß nicht, ob man sie beklagen — kann. Es sind Menschen mit einem andern Weltbild. Ihre Leiden und ihre Freuden — abgesehn von der Verbanntheit — sind keine andern als die unsern.“ Das klang sehr klar und schön in der singenden Mundart.

Eine Weile, rasch vorwärtsgehend durch die sommerwarmen, dunstigen Straßen im Licht der Bogenlampen, dann der Laternen in kleineren Gassen, blieben sie still, bis Georg sich Hardenbergs erinnerte und halblaut sagte: „Auch Hardenberg ...“

„Hardenberg war homosexuell“, versetzte Schwalbe hurtig.

„Man sollte“, fing Georg bald darauf wieder an, „eine Stadt für sie gründen, wo sie leben könnten und zufrieden sein ...“