Als wir nun schwiegen, erschreckte mich das Geräusch des Fahrens, überlaut in meinem Gehör, und da merkte ich, wie alles wieder bröcklig in mir wurde. Da erschien der Festzug, ich saß auf der Höhe des Wagens, die Elefanten schritten dort, ich sah das bunte Getümmel unten und oben, und jetzt, wie es erlosch, jetzt erst sah ich alles, was geschehen war an diesem Tage, der so triumphierend begann. Alles zählte ich da Jason auf: Erasmus’ Tat, und Josefs Tod, den Jammer seines Vaters und meinen eignen, den Tod des Herzogs, und Sigurd, Georgs Erkrankung, Magda, und weiter noch Bogner und Ulrika und gar Irene. „Jason!“ mußte ich endlich entsetzt fragen, „wie war es nur möglich! all dies an einem Tag!“
Jason sagte: „Du lieber Egoismus! Warum lässest du alles Übrige fort? An jenem heißen Sommertag haben achtzehn Menschen einen Hitzschlag erlitten, woran sieben starben; drei stürzten mit einem zusammenbrechenden Balkon beinah hinter dir in den Festzug; zwei fielen vom Dach, zwei von der Straßenbahn, sechs wurden überfahren, einer brach den Arm im Gedränge, und übrigens müssen der Wohnungen, die von ihren Besitzern verlassen waren und in die eingebrochen wurde, mindestens zwanzig gewesen sein.“ Er hätte nicht gezählt, schloß er, aber was mir einfiele, alldas nicht zu rechnen?
„Nein, Jason,“ konnte ich trotz der erschreckenden Aufrechnung entgegnen, „du wirst mich wohl recht verstehn: die ich aufgezählt habe, gehörten doch Alle zusammen. Wir waren doch Alle verwandt miteinander!“
„Freilich,“ erwiderte er, „kommt ein Sturm, stürzt das Dach ein, so trifft es Alle, die darunter versammelt sind. Oh gewiß, ich erinnere mich wohl: die Friedliebende Gesellschaft hieß es, und damals fing alles an. Denn“, endigte er liebenswürdig, „ich gebe dir gern zu, daß du die Dinge so ansehn mußt, wie sie sich um dich ordneten.“
„Ordnung, Jason!“ rief ich empört.
„Ja, wer kennt denn all die Gesetze? Hat der Mensch einen Gott, muß er auch Dämonen haben.“
Mir graute es vor Jason in diesem Augenblick, und es dauerte eine Weile, bis ich fragen konnte, wie er es mache, stets gelassen zu bleiben, denn ich wisse ja, er meine es gut mit uns Allen.
„Ein bißchen schwarze Kunst vielleicht?“ riet er.
„Ach freilich, die Schwärze sieht man an den Augen! Aber worin besteht sie?“
Das sei schwierig, meinte er, jeder Zauber sei nur in einer Hand wirksam; worauf er mir ernsthaft riet, wenn ein Leid an mir zerrte, nur die Augen kräftig zuzumachen und zu denken, daß es mich gar nichts anginge.