Aber sage mir, warum nur dies mich so besonders erschreckte? Bei meinem heutigen Gehversuch gelangte ich bis zu Helenes Grab und betrat, um mich etwas auszuruhn, den Pavillon, in dem noch der Sessel von Dir stand. Auf einmal, wie ich da saß, entdeckte ich auf dem Bretterboden das zertretene Ende einer Zigarre von Dir. Oh Gott, ich kann nicht sagen, wie das mich entsetzte! Es war ein so leibhaft lebendiges Stück von Dir, und nun ist mir, als hättest Du mich drohend angesehn aus dem Fußboden. Die Rechenschaft, ja, ich weiß, ich weiß ja, ich schob sie immer noch hinaus, es ist die alte Schwäche, allein — gedulde Dich nur noch zwei Tage, nur noch einen! Es ist so schwer, ich habe noch immer nicht alles beisammen, es sind immer noch ein paar Lücken da, aber wer kann denn inständiger als ich hoffen, zum Ende zu kommen! Morgen ganz bestimmt, oder wenn nicht dann, übermorgen sollst Du mich bereitfinden! Rechne darauf! Ganz bestimmt!
X
Es dröhnt die riesige Posaune des Letzten Tags; an Felsen, an Grüfte, an Totes schlägt das Engelswort: Auf! und da kommen sie hervor, staunend, schwankend, erlöst, aber siehe da — welche Verwandlung ging mit uns vor nach diesem Tod? Keine, keine, denn wehe uns, wir haben nichts vergessen, es ist alles da, was wir verließen, in unsrer Erinnerung grauenvoll da, jedes Jahr, jede Stunde und Minute, jedes Wort, jeder Blick, jeder Schritt und Gedanke ist mit uns lebendig geworden, warum? Rechenschaft abzulegen darüber.
O Gabe des Vergessens, die allein
Uns möglich macht das ungeheure Leben!
Du wundervoller Allernächtewein,
Von dem wir trunken über Schlünden schweben!
Der gute Heiland wußte, was er tat,
O Lazarus, als du im Tod erschlafft;
Er kannte wohl die nicht geheime Kraft,