Zuvor habe ich zu gestehen, daß der einzelnen Schuldposten einerseits so viel sind, und andererseits in einem so besondren Durcheinander über die Blätter des Schuldbuches verstreut, daß ich den Vorschlag eines besondren Verfahrens machen möchte, nämlich daß ich die einzelnen Hauptposten zusammenstellen darf in der Art jener kindlichen Spielzeugkästen, bestehend aus einem Dutzend würfelförmiger Holzklötze, als welche zusammen mit jeder ihrer Seiten ein Gemälde herstellen, mit dessen Einzelquadraten besagte Seiten beklebt sind, und es bleibt nur noch zu erwähnen, daß in meinem Falle jeder Teil jedes vorgestellten Bildes so wenig im eigentlichen Sinne als Bruchstück erscheint, als jede geistige, sinnliche Vorstellung in ihrer Art immer eine Ganzheit zu haben scheint, — das heißt also gleichfalls die Form eines Bildes.
Ich fange an! Erstes Bild:
Ein Mädchen, das ich vielleicht liebte, hieß Esther. Hier steht sie, in der Hand eine sogenannte Gänseblume, an der sie zupft: Liebe ich ihn? Liebe ich ihn nicht? Andrerseits sehen wir hier mich selbst, eine ähnliche Blume zupfend: Ich liebe sie —, ich liebe sie nicht. — Weiter: Eine Abschiedsszene. Sie — will nach Amerika, um dort gewissermaßen zu heiraten. Will — will auch nicht. Ich — möchte sie wohl halten; will — will auch nicht. Letztes Stück: Ein Schiffsuntergang mit Pauken und Trompeten; sie ertrinkt.
Summa: Ich bin der Schuldige am Untergang dieser hülflosen Seele.
Zweites Bild: In einer Sylvesternacht las mein Vater Briefe einer gewissen liebenden Cordelia, genannt die arme Seele. Hier ist sie zu sehn, wie sie sich in inbrünstigem Verlangen verzehrt, mir das Geheimnis ihres Lebens zu öffnen. Hier zu sehen bin ich, wie ich gepeinigt bin von einem ähnlichen Verlangen. Hier zu sehen ist Cordelia: tot.
Summa: Gesetzt, ich hätte die Kraft aufgebracht, zu bekennen: wäre nicht die zwingende Folge davon ihre Erleichterung zum eigenen Geständnis gewesen? Summa: Ich bin der Schuldige am Tode dieser armen Seele.
Drittes Bild: Hier ist Sigune, eine blasse verwaiste Pflanze. (‚Ich wünschte, daß vom Fenster sie verschwände!‘) Hier der vielerseits bekannte Georg, eine Art besondren Wirbelwinds. Hier liegt sie, ausgerissen.
Summa, und so weiter.
Viertes Bild: Da wäre noch ein besondres Vorgeständnis zu machen. Ich verschwieg, daß unlängst die vielerseits bekannte Magda Chalybäus bei mir war, das heißt, ich war eben wieder einmal eingeschlafen, und sie saß neben mir wie der beste Engel, als ich erwachte. Obwohl sie mich anzusehen schien wie immer, merkte ich wohl, daß etwas keine Richtigkeit hatte mit ihrem Blick, und gleich sehe ich folgende Bilder:
Eine Frau, die einmal kürzere Zeit so eine besondre Art Geliebte von immer Demselben war. Diese und jene Szene der Eifersucht oder der ehrgeizigen Andeutungen. Trennung. Jahrelanges Nichtvorhandensein in der Erinnerung Desselben. Nun der wohlbekannte Festabend. Jene Frau, genannt Cora, in der Maske einer Eumenide. Scheint Magda wegen ihres von Renate geborgten Kleides für dieselbe zu halten. Alberne (?) Drohungen. Später Magda mit Demselben im Monopteros. Theatralischer Überfall Coras mit einem Dolch. Ich weiß nicht: galt es mir oder galt es ihr? Ehe Derselbe dazwischen fährt, sinkt Magda zu Boden.