Nun, meinem Vater ist obgenannte Magda besonders bekannt, und er kann sich demgemäß ihre Rede vorstellen auf meine Frage nach ihren Augen. Oh, sie könne recht gut sehn! Grade heute zum Beispiel sei es besonders gut, sie sehe mich ganz deutlich, sie sei auch zum Beispiel ganz allein zu mir durch das Zimmer gekommen, ja, es wäre geradezu schade gewesen, daß ich eben schlief — und so weiter. Mit einem Wort: blind.

(Aber deswegen keine Ergriffenheit! Sondern standfest jetzt, Auge in Auge, Zahn um Zahn, — auch abgesehen von noch weiteren diesbezüglichen Ausführungen ihrerseits, nämlich betreff einer gewissen besondren Prophezeiung, die endlich in Erfüllung gegangen zu sehn Derselben eine besondre, sozusagen seelische Genugtuung bereitete.)

Summa: — — erübrigt sich wohl nach Analogie der vorigen.

Ein Würfelklotz verfügt über sechs Seiten. Zwei blieben noch leer. Auf eine derselben würde ich ja sehr gerne mich bringen, wie ich am Tode Helenes schuldig bin, aber — ich kanns drehen, wie ich mag: es will mir durchaus nicht gelingen. Es scheint kaum erklärlich, aber vorläufig muß es dabei bleiben, daß ich tatsächlich am Tode Helenes nicht schuldig zu sein scheine.

Nun wären freilich die bisher aufgedeckten nur Zusammenhänge äußerer Art, und ich käme nunmehr zum Nachweis der besonderen, inneren Notwendigkeiten, nämlich folgendermaßen in der Ordnung:

Ad I.

A. Allgemein. An dem Tage, wo es sich darum handelte, Esther endgültig zu halten, war ich deshalb nicht genügend bei der Sache, weil ich am nächsten Morgen auf Mensur zu stehen hatte, einer, wie ich wußte, nicht eben leichten Mensur, und so kam es auch. Ferner ist zu sagen, daß ich in München bereits nach wenigen Wochen Corpslebens wußte: es war eine — nun, seien wir gnädig und sagen ein Irrtum. Gleichwohl wurde ich nicht nur in A. wiederum aktiv aus unbesondrer Berauschtheit, sondern beharrte auch dabei wider besseres Wissen, nämlich aus purer Schwäche, will sagen Unverstand des für mein Leben notwendigen Tuns.

Gedankenlosigkeit, Schwäche, völlige Unkenntnis des Notwendigen, des Einen, bei fortwährendem im Mund- und im Hirne-Führen großartiger Plane, Gedanken, Phantasiestücke in Napoleons Manier und so weiter — das sind die Anklagungen.

B. Besonders: Obendrein fortwährende Verwirrung. In einem Kaffeehaus oder Chantant, einer Bar meinetwegen war ich einmal Augen- und Ohrenzeuge eines besondren Gesprächs zwischen den allerseits bekannten Josef Montfort und Saint-Georges. Es wurde darin auf das glaubwürdigste nachgewiesen, daß die seelische Versetzung eines beliebigen Menschen in die Leiblichkeit eines Andern, — kurz und gut: die Vornahme einer Maske unbedingt führen müsse zum Unheil, wo nicht zum Verbrechen.

Wer schlug dieses in den Wind seiner Berauschtheit? (Immer Derselbe!) Nicht nur seiner Berauschtheit! Denn bei völliger Nüchternheit des folgenden Nachmittags, in einer Stunde höchster Notwendigkeit war ihm jenes Gespräch klarstens erinnerlich, er aber schlugs in alle Windsbräute, nahm die Maske vor, und es begann: uralte Verwirrung.