Ah, haha! Rideamus, amici! Nun lustig, lustig, rideamus, und die See brüllt dazu wie besessen, denn warum? Ein neuer Aspekt des Todes, jawohl, jawohl, jetzt hätten wir alles besonders beisammen, rideamus nunc, was stellt sich heraus? was fördert sich, was muß ich selbst zutage fördern, wie ich nämlich mit Ulrika und Bogner abendlich dämmernd zusammensitze und keiner was zu sagen weiß und ich deswegen nach Irene frage? Dieselbe ist wieder im Kloster und warum? Nach einem endgültigen Endkampf mit diesem besondren Klemens haben sie sich zur süßen Liebe entschlossen, aber deswegen keine lieblichen Gefühle — nein, bloß nicht weich werden! — sondern er stößt sie von sich, jedoch — das ist nicht meine Sache, aber wie es entstand, das ist die besondre Frage, und zwar war es der große Mummenschanz naturgemäß, der jenen Klemens zu grausamen Schmähungen veranlaßte, weil Dieselbe trotz Verehelichung mit einem roten Sozialdemokraten es leckerte nach dem dynastischen Gepränge, und demgemäß, wer trägt die Schuld auch an dieser besondren Verwirrung? Immer derselbe. Nein, bloß nicht weich werden, und die See brüllt wie besessen, denn weiter: Spazierend am schmalen Gestade der Ebbe mit der sogenannten muntren Cornelia, will ich was Munteres sagen und öffne die Lippen zur Frage: Wie gehts eigentlich jenem Josef von Montfort? Oh erbarmungswürdige Entgeisterung! Einerseits und dann beiderseits, denn siehe da, derselbe ist maustot, umgebracht von dem eigenen Bruder! Rideaumus, es ist zum Haarausraufen, denn gleich holt mich der Teufel, wenn das sich nicht auf immer denselben Mummenschanz zurückführen läßt, bloß nicht weich werden, denn das ist freilich noch nicht alles, denn sie weint ja nun und zeigt sich besonders bekümmert, daß dies an ein und demselben Tage vor sich ging, an dem auch der bekannte Maler beinah sein liebes Leben verlor, und auf Befragen erzählt sie gern eine höllische Szene, nämlich wie sie ein grausames Schießen hört, mitten am friedlichen Nachmittag, immerzu Knallen und Knallen, und hinunterläuft und in ein Zimmer, und da steht ganz rauchend dieser Bogner, oder vielmehr er fällt schon hin, vornüber auf eine besondre Fensterbank, fluchend und röchelnd und mit einer besondren Pistole fuchtelnd, und immer in seinen roten Teufelshosen vom Mummenschanz dazu, und draußen im Freien, wer liegt an der Erde und sagt auch nicht ein Wort mehr? Natürlich der andre Duellant, tot wie eine Ratte, und sie haben sich Beide mindestens mit zwanzig bis dreißig Kugeln durchlöchert, bloß nicht weich werden, denn siehe da, worüber zerbrachen sie sich lange den Kopf, Cornelia und auch die Ulrika? Wie ihr sogenannter Ehemann ihn hat ausfindig machen können, aber Bogner offenbarte dasselbe, denn der Ehemann muß ihn beim Mummenschanz gesehen haben zusammen mit Ulrika, seinen Namen erforscht, da er ihm natürlich gleich besonders erschien, und ihm nachgegangen sein, nachgegangen wem? dem mit den roten Beinen, sie ließen sich auf keine Weise aus den Augen verlieren, im dichtesten Dickicht der Beine nicht, und so geschah’s!

Rein in die Hölle, raus aus der Hölle, und nicht weich werden und die Rechnung aufgestellt, denn nun hätten wir ja den Unheilsberg strahlend beisammen, als da sind: Esther und Sigurd, Cora und Magda, Josef, Erasmus, sein Vater und Renate, Cornelia und Cordelia, Bogner benebst Eltern und Ulrika mit Mutter, Irene nebst Ehemann und Klemens, bloß Helene ist leider noch immer nicht dabei, und über Allen schwebt — — —

Ich, ich, ich! Ich hinter der Maske, da saß ich jahraus und jahrein über Töpfen und Retorten und destillierte das zarteste Gift, verabreicht’ es an einem Tag, und da sitze ich nun mit meinem grinsenden Schädel auf dem Berge der Leichen und kann meinen Nabel betrachten!

Auf, laßt uns nun wahnsinnig werden!

Den Verstand verlieren, o mein Gott, den Verstand verlieren! All ihr Götter, wie kann ich denn einen haben, wenn ich ihn jetzt nicht verliere!

Renate an Saint-Georges

am 7. Oktober

Mein Geliebter!

Siehe da, ich schreibe und weiß nicht wohin. Der Gedanke, daß Du augenblicks in die Welt aufbrechen solltest, um das Tal und das Haus zu finden, in dem wir bis in alle Ewigkeit wohnen würden, war preiswürdig, als wir ihn dachten, nun aber jammert mich seiner, er hat gar so viel Ähnlichkeit mit einem halb ersoffenen Kätzlein. Legen wir es auf den guten warmen Ofen bis übermorgen, und trösten wir uns derweil mit der süßen Speise Wiedersehn und dem klaren Weine, der Dann-niemals-mehr heißt.

Ach, mein ewiger Geliebter, wenn es in der Welt etwas giebt, das anders ist als alles Leben und alle Dinge dieser Welt, und das Liebe heißt, was kann denn dieses anders sein als die Vollkommenheit? Und wenn sie die Vollkommenheit wirklich ist, so ist doch alles, was geschieht, in der Liebe geschehn, was der oder die Liebende tut, was sie nur denken und anfangen, es muß alles in der Liebe sein und vollkommen. Demnach ist ein jedes verständlich und ganz klar, und daß Du dort bist und ich hier, auch dieses muß Vollkommenheit genannt werden, ich sehe es vollkommen ein und begreife es, bloß: sie ist nicht so leicht zu ertragen, diese Art von Vollkommenheit, und sicher ist Übermorgen gar nicht, aber Du kommst ja erst Freitag.